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Dankbar für die Chance auf eine Zukunft

 „Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch“, sagt Haroon, der diese These selbst am besten untermauert: Innerhalb von nur sechs Wochen hat der irakische Flüchtling die deutsche Sprache so gut gelernt, dass er auf dem Gymnasium der Zinzendorfschulen  aufgenommen wurde und sich ohne Probleme in das für ihn völlig neue Schulsystem integrieren konnte – genau wie sein Mitschüler Imad, der die Parallelklasse besucht.  „Wir wurden sehr herzlich aufgenommen“, sagen sie. In verschiedenen Fächern bekommen sie manchmal ein bisschen mehr Zeit, um die Aufgaben zu lösen, ihre Lehrer können sie auch jederzeit ansprechen, wenn etwas unklar ist.  

Das Schulsystem ist in Deutschland ein ganz anderes. „Im Irak gab es für jedes Schulfach ein Buch, das wir auswendig lernen mussten“, erinnert sich Haroon. „Hier jedoch geht es darum, zu verstehen und nicht ums Auswendiglernen.“ Seine Wissbegier kennt kaum Grenzen, denn dadurch, dass er  zwei Jahre lang nicht zur Schule gehen konnte, vermisste er das Lernen umso mehr.

Die zwei Jahre Altersunterschied zu ihren Mitschülern in der 10a und 10b sind für Imad und Haroon nicht entscheidend.  „Wir können uns ohnehin nicht mit Gleichaltrigen vergleichen, denn wir haben ganz andere Dinge erlebt als sie. Wir haben unsere Kindheit verloren.“

Als Haroon 14 Jahre alt war, ist seine Familie vor dem IS in die Türkei geflohen, wo sie Illegale waren, denn sie hatten in den Wirren ihre Pässe verloren. Sein Vater schlug sich über die Balkanroute zu Fuß nach Deutschland durch, wo einer seiner Onkel als Arzt arbeitet. Sein Vater kam nach Donaueschingen,  von wo aus er für seine Familie einen Termin bei der deutschen Botschaft in Ankara arrangierte. Haroon, der währenddessen die Rolle des Familienoberhauptes übernahm, ging mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zunächst wieder zurück in den Irak, wo sie monatelang in einem anderen Flüchtlingslager lebten, bevor sie am 7. Juni 2016 mit dem Flugzeug in München landeten.

In Villingen besuchte Haroon einen Sprachkurs, der mit den Sommerferien endete und sollte dann – genau wie sein Freund Imad, den er während des Kurses kennenlernte, auf eine Berufsfachschule gehen. „Die staatlichen Gymnasien haben uns nicht aufgenommen“, sagen Imad und Haroon. Durch privates Engagement der pensionierten Lehrerin aus St. Georgen Judith Baudis, die Haroon inzwischen „meine deutsche Mama“ nennt und Sr. Berberich-Ebner - "unsere deutsche Patin" - verbesserte Haroon seine Sprachkenntnisse enorm und sprach innerhalb von sechs Wochen fließend deutsch, so dass Br. Treude ihm die Chance gab, an den Zinzendorfschulen die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Er erzählte seinem Freund Imad davon und ermutigte ihn, sich ebenfalls zu bewerben – mit Erfolg.

So haben die beiden kurdischen Flüchtlinge nach eigenen Aussagen zwei Wunder erlebt: „Das erste Wunder ist, dass wir noch leben, das zweite, dass wir  die Chance bekommen, unsere Träume zu verwirklichen.“ Haroon möchte Medizin studieren und Imad Informatik. Beide haben zweiwöchige Berufspraktika an entsprechenden Stellen abgelegt.


erstellt am 17.10.2017


Klimaschutz im Unterricht

Klimaschutz geht uns alle an, deshalb hatten Sr. Jehle und Br. Bihler im NWT-Unterricht der Klassen 9a, 9b und 10c den Niederlassungsleiter der Energieagentur Schwarzwald-Baar-Kreis, Tobias Bacher, eingeladen. Er erläuterte den Schülern, wie jeder durch sein eigenes Verhalten den Energieverbrauch  sowie die Kosten für Energie niedrig halten kann.
Anhand eines Modells zeigte er den Schülern, wie der CO2  Ausstoß in direktem Zusammenhang zur Temperaturerhöhung steht. Ihnen war zwar klar, dass die klimaschädigenden Gase vor allem aus Industrie und Gewerbe kommen, dass jedoch die Haushalte ebenfalls den Klimawandel mitverursachen, war den meisten neu.

Eindrucksvoll war die Beispiele, etwa dass 4 Minuten warm duschen genauso viel Energie verbraucht wie mit einem Pedelec 100 km fahren. Auch der direkte Unterschied zwischen einer alten Glühbirne und einer LED war verblüffend: Die LED war handwarm, die Glühbirne 350 ° C heiß, nach gleicher Zeit und bei gleicher Helligkeit.

Dass auch die „Stand-by“-Funktion relativ viel Strom verbraucht, konnten die Schüler direkt messen. Beim zweiten  Termin wurden die Schüler dazu eingeladen, in einem Planspiel ein ererbtes Haus im Wert von 140 000 Euro über einen Zeitraum von 50 Jahren zu pflegen und zu erhalten. Wie sich hierbei Wärmeschutzmaßnahmen, Heizungserneuerung und andere Investitionen auswirken, wurde mit großem Interesse verfolgt.

Thomas Bihler


erstellt am 16.10.2017


Eingangsklassen der beruflichen Gymnasien wachsen zusammen

Von den unterschiedlichsten Schulen kommen die Schülerinnen und Schüler der beruflichen Gymnasien. Damit sie sich möglichst schnell kennenlernen, zu einer Klassengemeinschaft zusammenwachsen, soziale Kompetenzen festigen und zum Team werden, waren sie im Oktober auf erlebnispädagogischer Tour. Die EKb wanderte am ersten Tag von Unterkirnach nach Vöhrenbach, wo sie nach gemeinsamen Kochen und einem gemütlichen Abend am Lagerfeuer in der Kandelblickhütte oberhalb des Skiliftes übernachteten.

Am nächsten Tag wanderten sie zur Linachtalsperre, wo sie in vier Gruppen aufgeteilt wurden und unter Anleitung zweier erfahrener Erlebnispädagogen verschiedene Aufgaben zu bewältigen hatten. So musste sich jeweils ein Schüler pro Gruppe von der Staumauer abseilen und der – zuvor im Team ermittelte - beste Schütze mit Pfeil und Bogen Luftballons zum Platzen bringen. Als Teams mussten die Schülerinnen und Schüler ohne Feuerzeug ein Feuer entfachen und die Geschichte der Staumauer studieren.

Am Nachmittag wurden zwei Teams gebildet, die aus vorgegebenen Materialien jeweils ein Floß bauten, mit denen das gesamte Team ans gegenüberliegende Ufer übersetzen und wieder zurückkehren musste. Ein Floß kenterte gleich beim Ablegen, während das andere Team ein stabileres Gefährt gebaut hatte. Nass waren am Ende trotzdem alle – aber sie hatten zum Glück trockene Kleidung dabei.

Am Ende der beiden erlebnispädagogischen Tage äußerten sich die Schüler durchweg positiv. Die Klasse sei enger zusammengewachsen und alle hätten sich besser kennengelernt. Außerdem hat so manch einer an diesem Tag seine Ängste überwunden und ist über sich hinausgewachsen. Außerdem konnte jeder seine Talente einbringen.


erstellt am 16.10.2017


Kulturtag in Stuttgart mit Oper und Museum

Kultur von früh bis spät durfte die zehnte Klasse der Zinzendorf-Realschule kürzlich in Stuttgart erleben. Gleich morgens machten sich 20 Schülerinnen und Schüler mit ihrem Kunstlehrer Br. Hertnagel und ihrer Musiklehrerin Sr. Maier auf den Weg nach Stuttgart, wo sie zunächst in der Staatsgalerie einen Überblick über verschiedene Epochen der Kunstgeschichte bekamen. Am Beispiel einiger moderner Kunstwerke fanden lebendige Auseinandersetzungen mit den einzelnen Werken statt und es wurde die Frage diskutiert, was einen Maler zum Künstler macht.

Am Nachmittag durften sie während einer Opernhausführung einen Blick hinter die Kulissen werfen. Sie erfuhren dabei viele Details über die Kulturstätte mit 1350 Angestellten, bestaunten den Kostüm-Fundus und besichtigten die einzelnen Werkstätten von der Hutmacherei über die Schreinerei bis zur Schuhmacherei. Der Saal, in dem die Kulissen entstehen, ist der größte Malsaal in europäischen Opernhauswerkstätten. Während der spannenden Führung durften sie sogar kurz in der Königsloge Platz nehmen.

Am Abend sahen sie sich dann die Oper „Tosca“ an, die zuvor ausführlich im Musikunterricht besprochen wurde.
Die Realschüler bewunderten, dass es die Künstlerinnen und Künstler schafften, ohne Verstärker den großen Raum mit gut 1400 Plätzen zu füllen und das Perfekte Zusammenwirken aller Beteiligten.

 „Die Schülerinnen und Schüler haben sich sehr offen mit den verschiedenen Facetten der Kunst auseinandergesetzt“, sagt Sr. Maier, „und wurden durch zahlreiche Neueindrücke und Denkanstöße belohnt.“


erstellt am 12.10.2017


Angehende Erzieher lernen Philosophieren mit Kindern

Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? Diese Frage, die der Philosoph Richard David Precht vor rund zehn Jahren in einem Buchtitel aufwarf, stellen sich nicht nur Erwachsene. Auch Kinder wollen wissen, wie alles zusammenhängt und was verschiedene Aspekte des Lebens zu bedeuten haben.

Nach einem Schnupperworkshop zum Thema "Mit Kindern philosophieren" im vergangenen Jahr nehmen angehende Erzieherinnen und Erzieher der Fachschule für Sozialpädagogik der Zinzendorfschulen jetzt an einer mehrtägigen Weiterbildung der Münchener Akademie Kinder philosophieren zu dem Thema teil.

In insgesamt vier Modulen erlernen sie das Handwerkszeug, um später mit den von ihnen betreuten Kindern philosophische Themen anzusprechen. "Erzieher, die mit Kindern philosophieren, müssen ihr Vorhaben auch Eltern und den Teamkollegen gegenüber kommunizieren", sagt Dr. Anton Hörburger, der gemeinsam mit Ute Mangold freiberuflich für die Akademie arbeitet und jetzt bei dem dritten von vier Modulen den angehenden Erziehern das passende Handwerkszeug nahelegte.
Nicht jede Frage sei philosophisch zu beantworten. "Wenn gefragt wird, wie ein Blitz entsteht, dann gibt es dazu eine eindeutige Antwort", sagt er. "Geht es jedoch um die Bedeutung von Naturgewalten, ist das schon eine philosophische Fragestellung."

Beim angeleiteten Philosophieren werden Kinder zum kritischen, kreativen und ergebnisoffenen gemeinsamen Nachdenken animiert. "Für die Zukunft unserer Gesellschaft ist es wichtig, dass Kinder eigene Denkprozesse durchlaufen", sagte Ute Mangold schon beim Schnupperseminar.

Nach einer Einstimmungsrunde zum Thema "Wirklichkeit und Wahrnehmung" wurden zunächst einmal Erfahrungen ausgetauscht: Wie kann man am besten die Kollegen und Eltern vom Philosophieren mit Kindern begeistern? Es gab viel Gelegenheit, die Methodik und Didaktik nicht nur theoretisch zu erlernen, sondern auch praktisch auszuprobieren. Das Projekt "Mit Kindern philosophieren" wird von der Karl-Schlecht-Stiftung unterstützt.

 

INFO:
Wer sich für eine Ausbildung zu einem Beruf mit Kindern und Jugendlichen interessiert, kann sich am Mittwoch, den 29. November informieren.


erstellt am 11.10.2017


Zinzendorfschulen

Staatlich anerkannte Schulen
mit Internat in Trägerschaft der Herrnhuter Brüdergemeine
78126 Königsfeld im Schwarzwald

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