Hilfe für Aids-Waisen
Abiturientin der Zinzendorfschulen geht für ein Jahr nach Südafrika
Die Koffer sind schon gepackt, die Aufregung steigt von Tag zu Tag: In der kommenden Woche fliegt Daniela Trost nach Südafrika, um ein Jahr lang als Freiwillige in dem Hilfsprojekt God’s Golden Acre (GGA), einem Partnerprojekt der Hilfsorganisation Go Ahead!, zu arbeiten. Das zum GGA gehörende Kinderdorf liegt im Valley of a 1000 Hills, rund eine halbe Autostunde landeinwärts von Durban, und bietet rund 70 Aidswaisen aller Altersklassen ein neues Zuhause.
Hier möchte sie sich um die Betreuung der Jüngsten kümmern. „Ich bin total vernarrt in kleine Kinder“, sagt die 19-Jährige, die vor wenigen Wochen an den Zinzendorfschulen ihr Abitur bestanden hat. „Das bedingungslose Vertrauen, das sie haben, begeistert mich. Für kleine Kinder ist es egal, welche Hautfarbe jemand hat und ob er ein teures Handy besitzt.“
Bei einem zweiwöchigen Urlaub in Schottland, bei dem sie sich vom Abi-Stress erholte, hat sie sich mit englischsprachigen Kinderbüchern eingedeckt, zwei weitere dicke Bände mit jeweils 365 englischen Gute-Nacht-Geschichten für Jungs und für Mädchen sind bestellt. Die Titel hat Daniela sorgfältig ausgewählt. „Ich habe keine Bücher genommen, die einen starken Bezug zu Europa oder zum Leben in einer Großstadt haben“, sagt sie, „sonst finden die Kinder vielleicht nur schwer einen Bezug dazu.“ Stattdessen liegen das Dschungelbuch, der König der Löwen, 101 Dalmatiner und Die kleine Raupe Nimmersatt im Koffer. Auch ihre Gitarre kommt mit, seit Wochen übt sie nur noch englische Kinderlieder. „Ich gehe meinem Freund damit schon ein bisschen auf die Nerven“, sagt sie lachend.
Aber da muss er durch und genau wie ihre Mutter hat er schon um einen festen wöchentlichen Telefontermin gebeten. Je näher die Abreise rückt, desto aufgeregter ist Daniela. „Zuerst war ich einfach nur euphorisch“, sagt sie, „ich dachte: ‚Toll, Du gehst für ein Jahr nach Afrika!’, aber inzwischen wird mir bewusst, dass ein Jahr auch ganz schön lang sein kann.“
Trotzdem freut sie sich sehr darauf. „Ich hoffe, dass ich so ein wenig selbstständiger werde. Hier kann ich mich immer auf meine Eltern verlassen, die kümmern sich um alles und es kann mir schon mal passieren, dass ich lieber ein Buch lese, statt wichtigere Dinge zu erledigen. Ich weiß ja, dass ich immer an Hausaufgaben oder andere Termine erinnert werde. In Afrika bin ich für mich selbst verantwortlich und für die Kinder noch dazu.“
Deshalb ist sie froh, sich für das Sozialprojekt entschieden zu haben, statt nach Amerika oder Frankreich zu gehen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. „Als Freiwillige mit den kleinen Kindern in God’s Golden Acre zu arbeiten, ist mein Traum, seit ich zum ersten Mal an den Zinzendorfschulen von der Hilfsorganisation Go Ahead! gehört habe. Im Gottesdienst wurde es vorgestellt, später gab es auch noch einen Workshop, seitdem war für mich klar: Da möchte ich mithelfen.“
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Vier Abschiede und drei Teilzeit-Ruheständler
Zwei Pensionäre vertagen ihren Abschied von den Zinzendorfschulen
"Goodbye, Sweetheart, it´s time to go ....": Mit diesem 50er-Jahre-Hit verabschiedete der Lehrerchor der Zinzendorfschulen am letzten Schultag sieben Kollegen. Die Laudiationes hielten die Schulleiter der beruflichen und der allgemeinbildenden Zinzendorfschulen, Br. Wittmann und Br. Treude.
Mit stehendem Applaus des versammelten Kollegiums wurden die beiden Pensionäre Br. Lempp und Sr. Lupfer verabschiedet. "Fahrt hinaus auf die hohe See!" legte die Sozialpädagogin und Lehrerin Sr. Lupfer dem Schulwerk ihr Lebensmotto aus der Bibel (Lk 5,4) ans Herz, denn nur wer Ungewohntes riskiere, komme voran. Sie selbst habe in den 19 Jahren an den Zinzendorfschulen immer wieder neue Fächer und Unterrichtsmethoden kennen gelernt. Die St. Georgenerin, die selbst mit vielen verschiedenen Berufen von der Kinderpflegerin über Damenschneiderin bis schließlich zur Pädagogin immer wieder Neues gewagt hatte, entschied sich jedoch für einen "Abschied auf Raten" und wird noch einige Wochenstunden an den beruflichen Schulen unterrichten.
Auch der Deutsch- und Religionslehrer Br. Lempp wollte nicht "von 100 auf Null" schalten und unterrichtet für zwei weitere Jahre vier Wochenstunden Religion. Den Regiestuhl, von dem aus er in den vergangenen acht Jahren die Theater-AG der Zinzendorfschulen immer wieder zu Höchstleistungen angespornt hatte wie mit "Anatevka", "Romeo und Julia", "Pygmalion", der "Westside Story" oder zuletzt dem "Urfaust", wird er jedoch räumen. Die Fachschaft Theater bedankte sich mit einer postdramatischen Collage der von ihm inszenierten Stücke, die nicht nur ihn sichtlich rührte.
Ebenfalls nicht nach Ruhestand steht Br. Gerlach der Sinn. Br. Treude beschrieb den Mathe- und Physik-Lehrer, der im vergangenen Jahr bereits als Pensionär in den Schwarzwald kam, als "Reisender in Sachen Schule", welcher den Zinzendorfschulen aus einer personellen Notlage herausgeholfen hatte. Diese Lücke füllte er nicht nur mit erstaunlicher zeitlicher, sondern auch pädagogischer Präsenz. In Königsfeld -- seiner 7. Schule in drei Bundesländern -- hat er das Ziel seiner Reise noch nicht erreicht: Br. Gerlach geht jetzt nach Bayern an eine katholische Schule.
Neue Wirkungskreise haben auch die jüngeren Kollegen gefunden. Sie gehen äußerst ungern und alle nur, weil ihre Wohnorte auf Dauer zu weit entfernt sind. Der Sport- und Mathelehrer Br. Nikolaus lobte neben der guten Küche besonders den respektvollen Umgang im Kollegium und machte deutlich, dass er nur sehr schweren Herzens geht. Aber Woche für Woche hunderte Kilometer zu pendeln ist ihm jedoch zu viel, wie auch seinen Kolleginnen Sr. Kühn (Deutsch, GMK, Geschichte) und Sr. Tress (Mathe und Bio). Ebenfalls offiziell verabschiedet wurde Sr. Havemann, die seit mehreren Jahren in Erziehungsurlaub ist und mittlerweile in Konstanz lebt.
Nach dem feierlichen Teil, bei dem auch der Bio- und Sportlehrer Br. Wehinger für seine 20-jährige Zugehörigkeit zu den Zinzendorfschulen geehrt wurde und die Sekretärinnen als "das Herz unserer Schule" gelobt wurden, läutete das traditionelle Grillfest der Lehrer die Sommerferien ein.
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Es geht ums Wohl der Schüler
Zinzendorfschulen setzen auf Zusammenarbeit mit benachbarten Sozialwissenschaftlichen Gymnasien
Wer sich an einer beruflichen Schule bewirbt, muss verschiedene Kriterien erfüllen. Notenschnitte, Wohnort und die Einhaltung bestimmter Fristen gehören dazu. Dass in diesem und im kommenden Schuljahr in Baden-Württemberg rund 30 neue sozialwissenschaftliche Gymnasien an den Start gehen, hat eine vom Kultusministerium gewollte Konkurrenzsituation geschaffen.
Doch die Zinzendorfschulen setzen auf Synergie statt Konkurrenz, weshalb der geschäftsführende Schulleiter Rainer Wittmann in diesen Wochen Vertreter der umliegenden sozialwissenschaftlichen Gymnasien zu Gesprächen einlädt. Am Donnerstag war der Abteilungsleiter der Beruflichen Gymnasien der Rottweiler Nell-Breuning-Schule, Siegmar Kettner, in Königsfeld. Rainer Wittmann bot ihm an, vom langjährigen Umgang mit dem speziellen Profil eines Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums zu profitieren. Siegmar Kettner konnte sich für die Zukunft auch ein gemeinsames Abitur vorstellen.
Das Hauptproblem, mit dem die Beruflichen und damit auch die Sozialwissenschaftlichen Gymnasien derzeit zu tun haben, sind jedoch Doppelbewerbungen. Die Schüler bewerben sich zur Sicherheit gerne an verschiedenen Schulen, geben dies jedoch nicht immer an, da sie Nachteile befürchten. Die Schulen haben also das Problem der Planungsunsicherheit und die Schüler bekommen unter Umständen eine Zusage von einer Schule, obwohl sie an einer anderen besser aufgehoben wären. Beide Pädagogen waren sich einig: Es geht ums Wohl der Schüler, weshalb sie in Zukunft auf nachbarschaftliche Zusammenarbeit setzen wollen.
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Internats-TÜV mit Bravour bestanden
Landesjugendamt prüft routinemäßig die Zinzendorfschulen
Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser, weshalb seit Jahrzehnten alle Internate in Baden-Württemberg routinemäßig überprüft werden. Kürzlich war die Pädagogin Arkadia Gardow vom Landesjugendamt zu Besuch an den Zinzendorfschulen. Das Amt ist als Außenstelle in Karlsruhe dem Stuttgarter Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg angegliedert. Arkadia Gardow ist für 47 Internate, Schüler- und Jugendwohnheime sowie Einrichtungen der Erziehungshilfe in Karlsruhe, Freiburg und dem Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig.
„Ich besuche diese Einrichtungen in unregelmäßigen Abständen immer wieder“, sagt die Pädagogin. Ihr kritischer Blick gilt vor allem der Sicherheit wie beispielsweise der Einhaltung von Brandschutzvorschriften in den Einrichtungen, aber auch die ausreichende Anzahl sozialpädagogischer Fachkräfte und eine heimische Atmosphäre sind entscheidend. „Wichtig ist, dass die Jugendlichen sich wohl fühlen können. Dazu gehört unter anderem, dass die Räume nicht kahl wirken, der Sanitärbereich hell und ansprechend ist.“
An den Zinzendorfschulen hatte sie nichts zu bemängeln. Das Internat, das auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurück blickt, hat auch problemlos die vor 20 Jahren eingeführte Betriebserlaubnis bekommen. Beim Rundgang staunte die Expertin über die Rundum-Betreuung der Internatsschüler, denn eigentlich ist so etwas nur in den personal- und damit kostenintensiveren Erziehungsheimen üblich. „De facto haben wir eigentlich ein Heim“, sagte die Leiterin des Mädcheninternats Haus Christian Renatus, Sr. Kiefer, als sie gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Schullleiter Br. Wittmann den Gast durch die Räume führte. „Unsere Schülerinnen brauchen viel Zuspruch und den bekommen sie bei uns. Viele von ihnen haben Brüche in ihrer Biografie und schaffen es hier, doch noch einmal durchzustarten. Dadurch haben sie eine Chance auf eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt.“
Die Pädagogin vom Landesjugendamt stellt häufig Berührungsängste gegenüber einem Erziehungsheim fest: „Vielen Eltern fällt es viel leichter zu sagen: ‚mein Kind ist im Internat’ als ‚mein Kind ist im Heim’.“
Arkadia Gardow war überrascht von der ruhigen Atmosphäre, die im Unterricht herrschte, als sie spontan eine Klasse angehender Erzieherinnen besuchte. „Da musste niemand erst die Schüler zur Ruhe ermahnen, die waren schon ruhig und konzentriert bei der Arbeit, bevor ich zur Tür hereinkam“, staunte sie. Auch die Aufgeschlossenheit ist ihr gleich aufgefallen: „Eine Schülerin sprach mich gleich an und wollte wissen, ob ich eine Lehrerin sei.“ Sie erinnert sich noch an ihren letzten Besuch in Königsfeld. „Seitdem ist viel renoviert worden“, konnte sie feststellen. Die Schule mache einen noch lebendigeren Eindruck: „Wenn ich in der Situation wäre, ein Internat für meine Kinder zu suchen, könnte ich mir durchaus vorstellen, mich für die Zinzendorfschulen zu entscheiden.“
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