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Nachhaltig und fair - Impulse zum Buß- und Bettag

Schule ist auch dazu da, sich in Lebenseinstellungen einzuüben, meint Schulpfarrer Br. Fischer, weshalb er die Andachten zum diesjährigen Buß- und Bettag unter das Motto „Nachhaltig und fair“ gestellt hat.

„‘Macht Euch die Erde untertan‘, steht in der Luther-Bibel, aber die Übersetzung ist an dieser Stelle nicht treffend“, sagt Br. Fischer, „es geht eher darum, die Füße auf etwas zu stellen, um es in Besitz zu nehmen.“ Er verdeutlichte dies anhand einer ägyptischen Darstellung dieses Gedankens, eines Bildes, auf dem ein Jäger seinen Fuß auf eine Antilope stellt und sie damit vor einem angreifenden Löwen schützt.

Um auf diese Weise die Erde zu schützen, könne jeder etwas tun, sei es,  fair gehandelte Ware zu kaufen oder Plastikdeckel von Getränkeflaschen und -Tüten zu sammeln. Mit diesen Deckeln werden Polio-Impfungen finanziert, bis Ende August kamen bei dieser Aktion schon mehr als 34 Millionen Deckel zusammen, davon konnten fast 70 000 Schluckimpfungen finanziert werden.

Auch an den Zinzendorfschulen werden seit dem vergangenen Schuljahr Deckel gesammelt, im Amos-Comenius-Haus hängt ein Sammelbehälter. Zusätzlich rief Br. Fischer zu einem Klassenwettstreit auf, bei dem gewinnt, welche Klasse bis zum 7. April die meisten Deckel gesammelt hat.

Er schloss mit einem Zitat von Tshamala Schweizer, der in der vergangen Woche an den Zinzendorfschulen über Afrika sprach: „Wer mehr als eine Scheibe Brot allein essen kann und dabei seinen Mitmenschen hungern sieht, der ist total arm. Aber wer seinen Mitmenschen mit einem Lächeln begegnet und mit dem Wenigen, was er hat teilt, der ist reich, sehr reich.“


erstellt am 16.11.2016


Campus Comenius macht den Blick in die Zukunft klarer

Welcher Beruf passt zu mir, worauf muss ich bei der Bewerbung achten, wie sieht der Arbeitsalltag eines Mechatronikers aus, welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, um Restaurantkauffrau zu werden und wo kann ich ein Vorpraktikum für mein Architekturstudium machen? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um Berufsfindung fanden junge Menschen und ihre Eltern bei der diesjährigen Messe Campus Comenius der Zinzendorfschulen.

Mit 38 Ausstellern verschiedenster Branchen waren in diesem Jahr zehn Betriebe, Institutionen und Organisationen mehr zu Gast in Königsfeld als im Vorjahr. „Jugendliche haben zum Teil ganz unterschiedliche Begabungen“, sagte Schulleiter Br.Treude, „und diese Vielfalt an Begabungen erfordert eine Vielfalt an Angeboten.“  Ein Hochschulstudium sei längst nicht mehr der einzige Weg in eine erfolgreiche berufliche Laufbahn.

Das bestätigte auch Miriam Hirt von der Personalabteilung des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis: „Wir bieten sowohl duales Studium als auch eine klassische Ausbildung für insgesamt elf verschiedene Berufe an. Heute haben sich die meisten Jugendlichen für eine Ausbildung interessiert, vor allem für den Beruf des Fortwirts.“

Bei der Niedereschacher Schmid Technology Systems GmbH, die ebenfalls sowohl  Ausbildungsplätze als auch duales Studium anbietet, war es jedoch umgekehrt. Hier wollten die jungen Menschen vor allem wissen, wie lang das Studium dauert, was sie dabei lernen und wie nach dem Abschluss ihre Chancen stehen.

„Die Beratung ist an allen Ständen sehr kompetent und jugendnah“, freute sich Sandra Wietzel-Fleig, deren ältere Tochter in die achte Klasse geht. Bei der Berufsfindungsmesse der Zinzendorfschulen konnte sie mit vielen Auszubildenden ins Gespräch kommen und so aus erster Hand erfahren, wie deren Berufsalltag aussieht. „Sie hat viele Interessen, sowohl im technischen als auch im sozialen und im musisch-kreativen Bereich. Irgendwann muss sie sich die Frage stellen, was davon zum Beruf werden soll und was Hobby bleiben darf.“ Um das auszuloten, böte Campus Comenius eine ideale Gelegenheit. Dem stimmte auch Frank Kramer zu, der seine Tochter Lucia begleitet hat: „Man kann ich auf kleinem Raum innerhalb kurzer Zeit informieren.“

Viele Fragen wurden in persönlichen Gesprächen geklärt und Vorurteile ausgeräumt. So kann beispielsweise gelegentlicher Wochenend- und Nachtdienst in der Altenpflege durchaus ein Vorteil sein: „Dafür hat man ja in der Woche Freizeit“, meinte Astrid Schmid vom der Altenpflegeschule Geisingen.

Die Schüler Linda und Jannik aus der 8R hatten die Aufgabe, sich über verschiedene Berufe zu informieren und diese später in der Klasse vorzustellen. „Ich wäre aber auch freiwillig gekommen“, sagt Jannik, denn er weiß noch nicht so genau, was er später einmal machen will. Im Moment zieht es ihn eher in den technischen oder kaufmännischen Bereich, für beide gab es viele Informationsmöglichkeiten.

Der diesjährige Schwerpunkt der Messe, die Freiwilligendienste im In- und Ausland, kamen auch gut an. Am Stand vom Deutschen Roten Kreuz holten sich viele Jugendliche zum Teil aus erster Hand Informationen über das Freiwillige Soziale Jahr, über Austauschprogramme im Ausland berichteten die Vereine Youth for Understanding und AFS interkulturelle Begegnungen .

Wer sich nach dem Rundgang über die Messe noch immer unsicher war, konnte sich bei einem Workshop von Norman Tober über die Birkman-Methode informieren, die jungen Menschen hilft, sich selbst zu verstehen und anhand der eigenen Persönlichkeitsmerkmale den geeigneten Beruf zu finden. Weitere Workshops gab es von Deutscher Bank und Sparkasse sowie dem Bildungpartner der Zinzendorfschulen, der EGT AG Triberg. Die Berufsfachschulen, deren Schülerinnen und Schüler bei der Bewirtung und Bewerbung der Messe fleißig mitgeholfen hatten, stellten sich auch in einem Workshop vor.

Nicht nur die Schüler und die Aussteller, auch die Eltern waren von der Messe sehr angetan. Jörg Kasseckert aus Waldshut-Tiengen, dessen Tochter das Internat der Zinzendorfschulen in Königsfeld besucht, meinte, das Das Angebot und die Vielfalt der Aussteller seien „sensationell“ und staunte über die Kompetenz der anwesenden Personalchefs: „Die wissen ganz genau, welche Berufe und Qualifikationen in Zukunft gefragt sein werden.“

 

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erstellt am 12.11.2016


Die Hintergründe von Reichtum und Wohlstand

Der Krieg im Kongo mit seinen mehr als 22 Millionen Opfern ist ein von den europäischen Medien vergessener Krieg, meint Tshamala Schweizer, der selbst in der ehemaligen belgischen Kolonie im Herzen Afrikas geboren wurde. Vor rund 400 Schülerinnen und Schülern ab der zehnten Klasse der verschiedenen Zinzendorfschulen sowie der Fachschulen warf er im Kirchensaal einen Blick auf die Rolle, das Schicksal und die Zukunft Afrikas. Der Vortrag auf Einladung des Schulpfarrers der Zinzendorfschulen, Christoph Fischer, war der vorgezogene Beitrag zum diesjährigen Buß- und Bettag.

„Was kommt uns in den Sinn, wenn wir an Afrika denken?“, stellte er die rhetorische Frage und gab gleich die Antwort: „Afrika ist die Wiege der Menschheit, es ist reich an Bodenschätzen und hat eine längere Geschichte als die anderen Kontinente.“  Trotzdem gehe es Afrika schlecht. Es gebe zwar viel Hilfe und Unterstützung, aber gleichzeitig werde auch viel genommen.

Auf einer Landkarte von der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte er die Aufteilung des afrikanischen Kontinents unter den europäischen Kolonialherren. „Damals gab es Kolonialismus und Sklaverei, heute herrscht wirtschaftliche Knechtschaft mit den gleichen Methoden“, sagt Schweizer. Der Kongo habe so viele Rohstoffe, er müsste eigentlich viel reicher sein als Deutschland, ist aber um ein vielfaches ärmer. Statt der Kolonialherren  seien es heute die großen Firmen, die in den ehemaligen Kolonien herrschten.

 „Coltan und Gold für den Krieg, Kinderarbeit für Wohlstand“, fasste  Schweizer den Grund für das Ungleichgewicht zwischen den Industrieländern und den Ländern südlich der Sahara zusammen. Auch den zertifizierten Minen traut er nicht. Es gebe kein faires Coltan, ohne das Handys, Smartphones und viele andere technische Geräte nicht funktionieren würden. „Kontrolliert werden sie, aber von den Rebellen.“

Tshamala Schweizers mit teils erschreckenden Fotos angereicherter Vortrag war umso authentischer, weil er genau weiß, wovon er redet. 13 Jahre alt war er gerade einmal, als er und seine Freunde vom Fußballspielen weg gekidnappt und zu Kindersoldaten ausgebildet wurden. Seine Familie wusste nicht, wo er war und seine Peiniger zwangen ihn zu Einsätzen bis im benachbarten Angola. Vor 26 Jahren konnte er nach Deutschland fliehen, ausgerechnet der Mann, der ihn töten lassen wollte, half ihm dabei. „Inzwischen sind wir Freunde.“

Diese Erfahrung spielt sicher eine Rolle in seiner Überzeugung, dass sich Menschen ändern können. Als Vorsitzender des Vereins Afrokids setzt er sich unter anderem dafür ein, ehemalige Kindersoldaten zu Friedensmanagern umzuschulen.  Kinder und Jugendliche aus sechs Nationen seien in dem Programm, außerdem finanziert der Verein Psychologen, stärkt die Situation von Frauen und sponsert auch schon mal ein, zwei Ziegen, um die wirtschaftliche Situation von Familien zu verbessern. „Es gibt keinen Frieden ohne Bildung und keine Bildung ohne Frieden“, sagt er.

Die Schülerinnen und Schüler verfolgten gebannt die Schilderungen Schweizers und wollen mit ihrer diesjährigen Weihnachtskollekte den Verein Afrokids unterstützen.


erstellt am 09.11.2016


Methodentrainer Klippert stellt Lernspiralen vor

 „Der Schüler muss Methode haben!“ wusste schon vor 100 Jahren der Reformpädagoge Hugo Gaudig. In den heutigen Lehrplänen werden verschiedene Methoden zum selbstständigen Arbeiten gefordert, die jedoch nach Ansicht des Methodentrainers Heinz Klippert, der auf Einladung der Zinzendorfschulen im Kirchensaal vor Lehrern, Eltern und Mitarbeitern des Schulamtes sprach, nur die wenigsten Schülerinnen und Schüler beherrschen. Das läge jedoch nicht an mangelnder Intelligenz, sondern daran, dass die Schüler diese Techniken nicht hinreichend geübt hätten.

So würden viele Schüler nur Oberflächenwissen sammeln, das zur nächsten Klassenarbeit abrufbar sei und alsbald wieder in Vergessenheit gerate. „Wir haben in verschiedenen Klassenstufen und Fächern die Klassenarbeiten nach zwei Tagen unangekündigt wiederholt“, schilderte Klippert ein spannendes Experiment. „Dabei sank der Notendurchschnitt in allen Klassen um 1,2.“

Damit Kinder das Gelernte verinnerlichen, sollten nicht nur das Seh- und Hörgedächtnis angesprochen werden. Er berichtete von einer Viertklässlerin, die ihm etwas verschämt auf die Frage, wie sie lerne, geantwortet habe, dass sie es ihrer Puppe erzähle. Dabei sei das eine gute Idee: „Das Gelernte zusammenzufassen ist der richtige Weg.“ Nach den neuen Bildungsstandards müssten Schüler lernen zu recherchieren, konstruieren, kommunizieren, präsentieren, kooperieren, reflektieren und Probleme lösen.

Freiarbeit würde oft als Mittel der Wahl eingesetzt, jedoch sei dies problematisch, wenn die Schüler keine Lernkompetenz entwickeln konnten und die Methoden nicht beherrschen. Ohne diese sei freies Arbeiten eher eine Beschäftigungstherapie als Lernen. Wie interviewt man einen Gesprächspartner, wie wird das Wichtigste in einem Text erfasst und markiert, wie werden Folien und Arbeitspläne erstellt und Mindmaps gezeichnet?

Diese Methoden müssen zunächst einmal in kleinen Schritten von einem Lehrer, der als Lenker und Trainer fungiert, vermittelt werden. Klare Abläufe helfen dabei, Klippert hat dazu Lernspiralen entwickelt, bei denen sich Arbeits- und Förderphasen im Fachunterricht nach dem stets gleichen Muster abwechseln. In der Inputphase erklärt der Lehrer den Schülern, was und wie er den Schülern das Thema vermitteln möchte. In der Bearbeitungsphase wird ein Text gelesen oder ein naturwissenschaftliches Phänomen dargestellt. In zufällig ausgelosten Kleingruppen besprechen sich die Schüler in der „Nachhilfephase“. „Hier können sich Schüler darüber austauschen, ob sie auch alles verstanden haben“, sagte er. Sie trauen es sich untereinander eher, als dass sie sich vor versammelter Klasse melden. In der Konstruktionsphase müssen die Schüler aktiv werden, sei es mit dem Schreiben von Texten oder beispielsweise dem Skizzieren einer Mindmap. Abschließend werden die Lernergebnisse in der Transferphase vertieft.

„In den Lernspiralen werden in jeder Unterrichtsstunde sechs bis 12 der geforderten Kompetenzen angesprochen“, erklärt Klippert sein Konzept. Damit kämen die unterschiedlichen Begabungen zum Vorschein. „Kinder haben wahnsinnig viel Potential“, sagt er, „sie müssen sich nur trauen, es anzuwenden.“

Methodenschulung gehört an den Zinzendorfschulen übrigens schon seit langem in allen Schularten dazu. Beim Pädagogischen Tag vor den Herbstferien wurden die Lehrer von Realschule und Gymnasium aktiv und gestalteten für ihren Unterricht Lernspiralen.


erstellt am 08.11.2016


Wechsel in der Dreizeit

Nach drei Jahren betreute Sr. Müller jetzt zum letzten Mal die „Dreizeit“, das Ganztagsangebot für die Klassen 5-7 der Realschule. Sie hat mit den Schülerinnen und Schülern Hausaufgaben und Spiele gemacht, ist bei schönem Wetter zum Ballspielen raus gegangen, ging mit ihnen zum Mittagessen und unternahm auch Ausflüge. Da sie ihren Wohnort wechselt und an den Rhein zieht, wurde sie nun vom Abteilungsleiter der Realschule, Br. Hertnagel, im Kreis einiger der von ihr betreuten Kinder verabschiedet.

In Sr. Reis, die schon seit 15 Jahren an den Zinzendorfschulen arbeitet, wurde eine kompetente Nachfolgerin gefunden. Die Mutter dreier inzwischen erwachsenen Kinder leitete seinerzeit das Internat und Wohnheim Haus Benigna. Seit dessen Schließung arbeitet sie als Erzieherin im Erdmuth-Dorotheen-Haus und acht Jahre lang auch im Tagesinternat.


erstellt am 26.10.2016


Zinzendorfschulen

Staatlich anerkannte Schulen
mit Internat in Trägerschaft der Herrnhuter Brüdergemeine
78126 Königsfeld im Schwarzwald

  • Allgemeinbild. Gymnasien (G8 und G9)
  • Berufliche Gymnasien (SG und WG)
  • Realschule
  • Fachschulen für Sozialpädagogik
  • Berufsfachschulen