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Ein zweites Zuhause in der Ferne: Chinesische Schüler im Schwarzwald

Weit mehr als 8000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen China und Deutschland, da sind die kulturellen Unterschiede in allen Bereichen gewaltig, auch in den Schulen. „Klassen mit 70, 80 Schülern sind in China nicht unüblich und der Unterricht ist sehr, sehr streng“,  sagte Wenxin Zhang, als sie an den Zinzendorfschulen für Lehrer und Erzieher ein Seminar über interkulturelle Kommunikation abhielt. Weil viele chinesische Eltern das westliche Schulsystem für besser erachten und ihren Kindern gute Chancen in der globalisierten Welt bieten möchten, ermöglichen sie  ihnen den Aufenthalt in Deutschland, zum Beispiel im Zinzendorfinternat in Königsfeld.

Jiajun Zhu, Qihua Lin und Dinghao Shi sind drei der Schülerinnen und Schüler, die eine so weite Anreise hinter sich haben. Die Umstellung war schon recht groß, kommen sie doch alle aus Städten mit zwei bis sechs Millionen Einwohnern und leben jetzt bis zum Abitur in der kleinen Gemeinde im Schwarzwald. „Ein Freund von mir war in Deutschland und hat mir geraten, auch hierher zu kommen“, sagt Qihua. England oder die USA waren für die Gymnasiasten keine Option. „Da leben so viele Chinesen, da lernt man ja nichts.“  Um gar nicht erst versucht zu sein, untereinander chinesisch zu sprechen, besuchen die Neuntklässler Qihua und Dinghao Parallelklassen an den Zinzendorfschulen, die 17-jährige Jiajun ist ohnehin ein Jahr weiter.  

Individualismus, Direktheit, Pünktlichkeit, Anerkennung durch Leistung auf der einen Seite und Gruppenzugehörigkeit, Soziale Harmonie, Gesicht wahren und strenge Hierarchie auf der anderen Seite bieten genügend Raum für Missverständnisse, erklärte Wenxin Zhang. Diese fingen schon bei Tisch an: Während sich im Reich der Mitte beispielsweise niemand an geräuschvoller Nahrungsaufnahme störe, ist dies in Deutschland ziemlich verpönt. Sich dagegen in der Öffentlichkeit zu schnäuzen, geht dagegen in China gar nicht. Aber diese Unterschiede lernen die chinesischen Schüler schnell. Schwieriger sind die Mahlzeiten an sich. „Zu Hause essen wir dreimal täglich warm“, erklärt Jiajun, die eine Weile brauchte, sich an das kontinentale Frühstück im Internat zu gewöhnen.

Neben einer Einführung in die chinesische Kultur, ihren Einfluss auf die Mentalität und einem Überblick über das chinesische Schulsystem sprach Wenxin Zhang vor allem um die Unterschiede an und was diese für den Schulalltag bedeuten. Die Chinesin kennt beide Welten, denn sie lebt seit ihrem elften Lebensjahr in Deutschland.

Sie vermittelte ein anschauliches Bild von China als einem Land voller Gegensätze, in dem die strenge Pädagogik der Schulen so gar nicht zu der eher mediterran anmutenden Ausgelassenheit und einem eher legeren Umgang mit Pünktlichkeit zu passen scheint. Mitternächtliche generationenübergreifende Pyjama-Partys in aller Öffentlichkeit seien nichts Ungewöhnliches und die Kommunikation berge für westliche Besucher so einige Fallstricke: Ein schroffes ‚Nein‘ verbiete sich, aber ein ‚Ja‘ bedeute nicht unbedingt, dass etwas erledigt wird.

„Einen Terminkalender zu führen, ist in China nicht üblich“, erklärte Wenxin Zhang. „Die Schüler, die in Deutschland unterrichtet werden, sind sehr erstaunt, dass sie beispielsweise einen Termin für einen Besuch beim Arzt brauchen.“  Chinesen täten sich ziemlich schwer damit, Dinge wie Urlaub mit einem Vorlauf von mehreren Wochen zu planen, einfach, weil sie spontaner sind. Dieses Zeitverständnis lässt beispielsweise Schulferien schon mal zu einer Herausforderung für alle an der Organisation der Heimreise Beteiligten werden, wie der Internatsleiter Andreas Sendlbeck zustimmend berichtete.  Die allerdings wird immer souverän gemeistert.


erstellt am 22.02.2016


Bildungspartner EGT informiert Schüler über Berufswege

Theorie ist schön, Praxis manchmal besser: Um Schülerinnen und Schülern der achten und neunten Klasse von Realschule, Werkrealschule und der ersten Klassen der Berufsfachschulen zu zeigen, was sich hinter den zahlreichen Ausbildungsberufen verbirgt, die die EGT anbietet, hat der Bildungspartner der Zinzendorfschulen Auszubildende nach Königsfeld geschickt. Diese haben einen ganzen Vormittag den Jugendlichen in verschiedenen Workshops gezeigt, wie sie eine Schaltung bauen, mit der etwa die Lichter in einem Einfamilienhaus gesteuert werden könnten. Außerdem konnten sie Rätsel aus dem IT-Bereich lösen und natürlich jede Menge Fragen stellen.

Die Auszubildenden des Triberger Energieunternehmens erklärten die Zugangsvoraussetzungen, Inhalte und Perspektiven ihrer unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen. So waren unter ihnen beispielsweise angehende Industriekaufleute, künftige Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und duale Studenten der Fachrichtung Wirtschaft und Industrie.


erstellt am 17.02.2016


Landtagskandidat Keune: „Privatschulen sind eine Bereicherung und Ergänzung der Schullandschaft“

Vor einigen Wochen hatte die Schulleitung der Zinzendorfschulen den amtierenden Landtagsabgeordneten des Wahlkreises eingeladen, um mit ihm im Rahmen der Aktion „Hand hoch für freie Schulen“ über seine Position zu Privatschulen zu sprechen. Nun war der Bewerber um dieses Amt, der Landtagskandidat Henning Keune (SPD),  zum gleichen Thema Gast in Königsfeld.

„Weil wir ja wissen, dass die SPD nicht die Partei ist, die jubelt: ‚Super, dass es Privatschulen gibt‘, wollten wir Ihre Position kennenlernen“, so der Leiter der Realschule und Berufsfachschulen, Br. Giesel. Im Gespräch mit ihm und der Leiterin der allgemeinbildenden Gymnasien, Sr. Lutz-Marek, stellte Keune fest: „Privatschulen sind eine Bereicherung und Ergänzung der Schullandschaft.“  Sie nähmen dem Staat den Bildungsauftrag ab und wenn dem Staat Aufgaben abgenommen würden, müsse auch die Finanzierung stehen.

Henning Keune, der seinerzeit an einer Gesamtschule das Abitur abgelegt hatte, sieht in den Zinzendorfschulen die gleichen Vorteile wie die einer Gemeinschaftsschule: „Auch hier sind alle Schulabschlüsse möglich. Die Schüler besuchen die gleichen Gebäude und sind in den AGs und auf dem Schulhof zusammen, nur, dass sie nicht in einer Klasse sind.“ Er erkenne, dass man an den Zinzendorfschulen viel Wert darauf legt, nicht in verschiedenen Schulzweigen zu denken. Eine Gemeinschaftsschule in Königsfeld würde keinen Sinn machen, weil die Zinzendorfschulen  ja „die gesamte Palette bieten und mit ihrem Konzept der  Durchlässigkeit jeden Schulabschluss ermöglichen. Es macht keinen Unterschied.“

Sr. Lutz-Marek erklärte, dass der Staat mit den Privatschulen fest rechne und ohne diese gar nicht alle Kinder beschult werden könnten. „Wir bieten eine große Vielfalt, aber die muss auch finanziert werden“, meinte sie und bedauerte, dass in den Argumenten, mit denen die Finanzierung noch immer nicht angepasst wurde, zehn Jahre alte Zahlen zugrunde gelegt werden. Henning Keune stimmte ihr zu: „Vom Volumen her geht es den Privatschulen gut, aber alle Kosten, unter anderem für Löhne und Gehälter, sind gestiegen.“ Außerdem hätten Privatschulen Ausgaben, die in einer öffentlichen Schule gar nicht entstehen, etwa für den Unterhalt der Gebäude und die Hausmeister. Alleine für Schulbücher müsse jährlich ein Betrag von 40000-50000 Euro eingeplant werden, ergänzte Br. Giesel.

Für Henning Keune war das Informationsgespräch sehr wertvoll: „Jetzt kann ich die Gesamtproblematik der Privatschulen besser einordnen. Es gibt genug zu tun, um einen gerechten Lastenausgleich zu schaffen.“


erstellt am 11.02.2016


Wirtschaftsgymnasium beim Planspiel Börse platziert

Marleen Liebert, Celine Eberhardt und Alexander Hirt aus der Eingangsklasse des Wirtschaftsgymnasiums erreichten als Team "Börsenboss" einen sensationellen dritten Platz  beim Planspiel Börse der Sparkasse Schwarzwald-Baar. Sie konnten sich in der Depot-Gesamtwertung gegen 139 teilnehmende Schülergruppen aus dem gesamten Kreis durchsetzen.

Die "Börsenbosse" (56167 Euro Portfolio) bekamen von von Sparkassendirektor Jürgen Jauch 200 Euro für die dritte Platzierung, Br. Limberger, der das Team betreute, konnte als erster gratulieren.


erstellt am 01.02.2016


"Voll viel Neues gelernt!" - Kulturtag der Realschule

"Die Oper war mega-schön!", "Es war interessant zu sehen, wie viele Stilrichtungen es in der Kunst gibt!", "Wenn man zuvor mal hinter die Kulissen geblickt hat, kann man die Aufführung einer Oper viel mehr wertschätzen!" Solche und ähnliche Statements gaben die Zehntklässler der Realschule als Eindruck über den Kulturtag wieder, der sich mittlerweile in den Abschlussklassen der Realschule etabliert hat.

So haben sich auch in diesem Schuljahr am vergangenen Freitag wieder einmal 40 Schülerinnen und Schüler der 10a und10b im Begleitung von Sr. Maier, Br. Ditz-Burk und Br. Hertnagel auf den Weg nach Stuttgart gemacht, um sich mit Kunst, Architektur, Handwerk und Musik auseinanderzusetzen.

Sinn und Zweck dieser Studienfahrt ist, die Schüler an große Meisterwerke heranzuführen und diese vor Ort erlebbar zu machen. Im Vorfeld werden die Zehntklässler auf die einzelnen Programmpunkte vorbereitet, damit sie die vielen Inhalte besser wahrnehmen, begreifen und einordnen können.

Der Tag beginnt mit dem Besuch der Neuen Staatsgalerie. Dort betrachte die Gruppe aus Königsfeld die Kunst der Moderne, wobei sichtbar wird, wie Formen und Farben in zunehmend freier und abstrakter Weise Gestalt annehmen, wie das ehemals Allgemeingültige seine individuellen Ausprägungen findet und wie die Kunst als Vorbote gesellschaftlichen Wandels gesehen werden kann.

Auch das 1978 von James Stirling erstellte Gebäude selbst ist von Interesse, da es zur Zeit seiner Entstehung revolutionär war und bis heute wegweisend ist. Ein weiterer Programmpunkt ist eine Führung durch die Werkstätten des Opernhauses, der Blick hinter die Kulissen. Beeindruckend dabei ist immer das besondere Engagement, welches die jeweiligen Mitarbeiter des Stuttgarter Hauses an den Tag legen, wenn Sie den Schülern bei einer solchen Führung Informationen aus erster Hand liefern.

Zu sehen, wie alles hergestellt wird, was auf der Bühne Verwendung findet, wie die Bühne "funktioniert", wie jeder einzelne Mitarbeiter auf kreative und zuverlässige Weise seiner Aufgabe gerecht werden muss, damit das Gesamtkunstwerk Oper zur Aufführung kommen kann, all das ist auch für die jungen Menschen hochinteressant und beeindruckend.

Höhepunkt und Abschluss des Kulturtages bildet der Opernbesuch. Zuvor gibt es aber noch ausreichend Freizeit, damit die Schülerinnen auch in den Genuss des städtischen Lebens kommen.

Diesmal stand "Jenufa" (Uraufführung 1904) auf dem Programm, die wohl populärste Oper des tschechischen Komponisten Leoš Janáček.

Thema ist die Realität einer ledigen Mutter, die in der Zeit um 1900 den gesellschaftlichen Zwängen eines mährischen Dorfes ausgesetzt ist, dessen Bewohner ob ihrer Perspektivlosigkeit von Gewaltbereitschaft und Alkoholismus geprägt sind. Keine leichte Kost, überaus dramatisch, spannend und emotional, eine Komposition, die unter die Haut geht.

Die ursprüngliche Natürlichkeit dieser Oper haben die Stuttgarter in ein packendes, expressiv-realistisches und explosives Feuerwerk aus Gesang, Schauspiel und Musik verwandelt, das durchweg aktuelle Bezüge erkennen lässt. Also keine Oper im klassischen Sinne, aber vielleicht gerade auch deshalb interessant für junge Leute.

Nicht zuletzt sollte erwähnt sein, dass solch ein erlebnisreicher Tag auch wertvolle Impulse für die Klassengemeinschaft setzt.

Detlef Ditz-Burk

 

 


erstellt am 29.01.2016


Zinzendorfschulen

Staatlich anerkannte Schulen
mit Internat in Trägerschaft der Herrnhuter Brüdergemeine
78126 Königsfeld im Schwarzwald

  • Allgemeinbild. Gymnasien (G8 und G9)
  • Berufliche Gymnasien (SG und WG)
  • Realschule
  • Fachschulen für Sozialpädagogik
  • Berufsfachschulen