Archiv

„Krieg kann niemals eine Lösung sein“

Wenige Monate, nachdem im jüngsten Gaza-Krieg die Waffenruhe ausgerufen wurde, berichtete die Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser in Königsfeld vom Leben in Palästina. Eine gute Woche vor dem Buß- und Bettag, zu dem  Schulpfarrer Br. Fischer immer einen besonderen Referenten einlädt, kam sie in den Kirchensaal, wo sie vor rund 300 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe und der Fachschulen der Zinzendorfschulen sprach. Am Vorabend war sie bereits im Helene-Schweizer-Saal gewesen. Die Vorträge waren gemeinsam von den Zinzendorfschulen, dem Eine-Welt- Laden Ujamaa und der evangelische Gesamtgemeinde organisiert.

„Ich freue mich, hier zu sein, denn ich liebe die Jugend“, begrüßte die promovierte Naturwissenschaftlerin und Erziehungswissenschaftlerin ihr aufmerksames Publikum, dem sie zunächst erklärte, dass die verschiedenen Religionen nicht das Problem im Nahen Osten seien. „Religion wird dazu benutzt, die Politik zu rechtfertigen“, sagt die Christin, die in den 1960er Jahren nahe Bethlehem eine Internatsschule der Diakonissen besucht hatte.

Der Islam, das Christentum und das Judentum seien einander sehr ähnlich, sie stimmten zu 90 Prozent überein und dass sie alle existierten, sei von Gott gewollt. „Wir glauben alle an denselben Gott und dieselben Propheten.“ Moslems, Christen und Juden hätten die gleichen Werte, ihre Religionen basierten alle auf Liebe, Versöhnung, Menschlichkeit und  Vergebung. Über einen langen Zeitraum hätten auch Angehörige dieser drei Religionen in der Region friedlich nebeneinander gelebt. Wichtig sei der Respekt vor den Unterschieden der anderen Religionen. Alle glaubten, es sei ihr Land, so Sumaya Farhat-Naser, die das Recht der Juden auf einen Staat betonte und zugleich generell die Idee von Nationalstaaten als problematisch zeichnete, denn „Nationalismus ist immer gegen andere ausgelegt.“

Sie zeigte anhand von historischen und aktuellen Karten der Region die palästinensischen Gebiete, die im Laufe der Jahrzehnte immer kleiner wurden. Die israelischen Siedler im Westjordanland hätten ihr eigenes, gut ausgebautes Straßennetz, welches die Palästinenser nicht benutzen dürfen. Für Strecken von 100 Kilometern bräuchten Palästinenser wegen ihrer eigenen schlechten Straßen und die zu passierenden Checkpoints bis zu 25 Stunden, den Flughafen von Tel Aviv, der von ihrem Wohnort nahe Ramallah eigentlich in einer halben Stunde zu erreichen sei, dürfe von Palästinensern nicht genutzt werden.

„Wer im Ausland studiert, kann nicht zurück, wer einmal das Land verlässt, muss bestimmte Termine einhalten, sonst darf er nicht wieder einreisen“, schilderte  Sumaya Farhat-Naser. Sie berichtete von Menschen, die durch einen Autounfall in Amerika, fehlendes Geld für einen Flugticket oder einen Irrtum den Termin verpassten und so nicht wieder nach Hause dürfen.

Jeder habe seine Geschichte, und müsse daher lernen, mit seiner Wut und Verzweiflung umzugehen. Allein im jüngsten Nahost-Krieg wurden 2800 Menschen getötet, 30000 Häuser, 71 Schulen und 30 Moscheen zerstört, berichte sie. „Und was haben wir davon? Noch mehr Wut. Krieg kann niemals eine Lösung sein.“

Als Friedensstifter spricht Sumaya Farhat-Naser allen Frauen eine besondere Rolle zu und berichtet von einer Situation an einem der Flying Checkpoints, an denen israelische Soldaten mit einem Jeep eine Straße sperren. Wer diese Kontrollpunkte passieren will, müsse oft stundenlang in der prallen Sonne ausharren. Dass sich dabei die Stimmung aufheizt, sei nicht verwunderlich.

Sie habe einmal miterlebt, wie sich an einem solchen Flying Checkpoint ein Palästinenser sein Hemd aufgerissen hatte, die Arme ausbreitete und einem Soldaten „Dann schieß doch!“ zurief. Der Soldat habe sein Gewehr schon auf die nackte Brust des Palästinensers gerichtet, als sie sich zwischen die beiden Männer gestellt hatte und dem Soldaten sagte: „Ich kenne deine Mutter“. Sie kannte sie natürlich nicht, „aber ich bin auch eine Mutter weiß, wie Mütter sind. Durch unsere Menschlichkeit können wir die Menschlichkeit der anderen erwecken.“ Mit ihrer Aktion habe sie den Soldaten so verwirrt, dass er seine Waffe zum Boden senkte und sich wegdrehte.

Die Friedensaktivistin sprach von einem „wunderbaren Kern, einem Diamanten“, den jeder Mensch in sich trage. „Es liegt an uns, diesen Diamanten zum Glänzen zu bringen.“ Diese Einstellung helfe dabei, auf Provokationen angemessen zu reagieren und zwar weder, indem man sie ignoriert, noch indem man sie erwidert. Das eine raube einem selbst Energie, das andere berge die Gefahr, eine Gewaltspirale in Gang zu setzen. „Wenn mich jemand provoziert, dann denke ich an diesen wunderbaren Kern und beschließe, dass der Mensch es nicht so gemeint hat. Wenn man sagt,  `Das hat mich jetzt verletzt, aber das hast du nicht so gemeint, oder?´, gibt man seinem Gegenüber die Chance, sich zu entschuldigen und die Provokation zurück zu nehmen.“

Die Schülerinnen und Schüler nutzten vielfach die Gelegenheit, im Anschluss an den Vortrag Fragen zu stellen. „Was können wir tun, um zu helfen?“,  wollten sie unter anderem wissen. „Ihr solltet alles radikal Fanatische ablehnen“, so Sumaya Farhat-Naser. Sie forderte die Schüler auf, im eigenen Land politisch aktiv zu sein, denn wenn man sich nicht engagiere, würden wertvolle Errungenschaften wie Freiheit und Demokratie womöglich nach und nach vereinnahmt werden. Über das Internet könnten die jungen Menschen den Kontakt zu Jugendlichen im Nahen Osten suchen. „Wichtig dabei ist es, nicht zu werten und immer im Hinterkopf zu haben, dass jeder Schritt und jeder Vorschlag gut für beide Seiten sein muss: für Israel und für Palästina.“


erstellt am 11.11.2014


Jugendliche knüpfen bei Campus Comenius wertvolle Kontakte

Wertvolle Tipps, gute Kontakte und viele Ideen nahmen die Besucher auch von der diesjährigen Berufsfindungsmesse Campus Comenius der Zinzendorfschulen wieder mit nach Hause. Eine Fülle an Möglichkeiten wurde den Jugendlichen aufgezeigt. Viele von ihnen waren in Begleitung ihrer Eltern gekommen, die zum Teil selbst über die Vielfalt der Berufsbilder staunten. 

Schulleiter Br. Treude betonte bei der Begrüßung der Aussteller, dass die Zahl der möglichen Ausbildungswege immer größer wird, was den Jugendlichen die Entscheidung über ihre berufliche Zukunft nicht leicht mache. Er  freute er sich daher, dass weit mehr als 30 Betriebe an die Zinzendorfschulen gekommen sind, „denn rechtzeitig Kontakte zu knüpfen ist für die Schüler sehr wichtig.“

Die meisten Betriebe hatten ihre Auszubildenden gleich mitgebracht, damit sich die Besucher bei ihnen aus erster Hand informieren konnten. Einige waren selbst durch die Kontakte auf der Berufsfindungsmesse der Zinzendorfschulen an ihren Ausbildungsplatz gekommen, wie etwa Stephan Ohnmacht, der in Königsfeld sein Abitur gemacht hat. Er hatte sich bei einer früheren Auflage von Campus Comenius über die Ausbildungsmöglichkeiten im Bankwesen informiert,  inzwischen steht er kurz vor der Prüfung zum Finanzassistenten und kann seinerseits den interessierten Schülern auf Augenhöhe Auskunft geben.

„Ich finde es toll, dass die Schule uns solche Möglichkeiten anbietet“, meint Isabel Zimmermann, die das Wirtschaftsgymnasium der Zinzendorfschulen besucht und sich  über eine kaufmännische Ausbildung informieren wollte. „Es ist ein kleinerer Rahmen und nicht so überlaufen wie die großen Berufsfindungsmessen der Region.“

Ob die Schüler sich für einen technischen Beruf, einen handwerklichen, oder kaufmännischen, einen Pflegeberuf, eine Ausbildung im Dienstleistungssektor oder in der Kommunikationsbranche interessierten- sie fanden für  jede Branche passende Ansprechpartner.

Auch das Rahmenprogramm kam bei den Besuchern gut an. Beim Bewerbungstraining gab die Ausbildungsreferentin der Sparkasse Schwarzwald-Baar, Bettina Hirt, wertvolle Tipps. „Macht etwas, wovon ihr richtig überzeugt seid“, war sicher der wichtigste davon, gefolgt von dem Rat, ehrlich zu sein und bei der Bewerbung nicht zu schummeln. Eine schlechte Note sei nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium, eine unwahre Ausrede dagegen schon.

Weil immer mehr Betriebe eine duale Ausbildung ermöglichen, erläuterte die Firma Kendion in zwei Workshops, was es bedeutet, dual zu studieren.

Der Abteilungsleiter von WerkRealschule, Realschule und Berufsfachschulen, Br. Giesel, zeigte sich kurz von dem Ende der Berufsfindungsmesse sehr zufrieden. „Es sind auch viele Schüler von anderen Schulen gekommen“, freute er sich,  viele Aussteller lobten die hochwertigen Gespräche mit sehr interessierten Schülern.

Gute Arbeit haben auch in diesem Jahr wieder die beiden für die Verpflegung von Ausstellern und Besuchern zuständigen Klassen geleistet. Im Messe-Restaurant sorgte die  2BFH der Berufsfachschule Hauswirtschaft und Ernährung für die Bewirtung, die 9Ra, die im vergangenen Jahr das Messe-Café als benotetes Schulprojekt organisiert hatte, bewirtete die Messegäste in diesem Jahr freiwillig und hat auch schon angekündigt, das im kommenden Jahr ebenfalls zu übernehmen. Der Termin steht bereits fest:  Am 14. November 2015 geht die Messe Campus Comenius in die fünfte Runde.


erstellt am 08.11.2014


WerkRealschüler sammeln erste Erfahrungen im Berufsleben

Erste Erfahrungen in der Berufswelt konnten in der letzten Woche vor den Herbstferien die 17 Jungs und 7 Mädchen der 8. Klasse der WerkRealschule bei verschiedensten Praktika sammeln. Dabei beschränkten sie sich nicht nur auf Königsfeld und Umgebung, die Internatsschüler konnten sich auch an ihrem Wohnort eine Praktikumsstelle suchen. So durfte ein Schüler sogar eine Woche lang in der Fußballschule beim VfB Stuttgart miterleben, ein anderer schaute sich ein Pumpwerk im Saarland an.

Diejenigen, die in der Region geblieben waren, besuchte ihre Klassenlehrerin Sr. Helms persönlich, die anderen betreute sie telefonisch. Morena Wolbert, die beim Modehaus Adler im Schwarzwald-Baar-Center arbeitete, verkaufte ihr sogar einen Pullover. Handwerklich konnte Lea Heini im Fachgeschäft Reichmann für Orthopädie-Technik in Villingen mithelfen – dort klebte sie unter fachlicher Anleitung Schuhe.

Lukas Bacher fühlte sich in der Werkstatt der ZG Donaueschingen sehr wohl. Er half mit beim Kundendienst der Traktoren vor dem einbrechenden Winter. Der Andrang war die ganze Woche über groß, so konnte Lukas viel sehen und wurde auch gebraucht.

Mit seinem Vater fuhr Albert Rico Martin  morgens sehr früh zur Arbeit. In Schwenningen half er bei der Qualitätskontrolle mit, er prüfte unter anderem Werkzeugteile.  

Ihr Herz für Tiere bewies Jelena Hempel im Tierheim Eckhof bei Rottweil, wo sie am liebsten die Zeit mit den Katzenbabys verbrachte. In einen kaufmännischen Beruf dagegen schnupperte Nina Möllers hinein: Sie  half im Büro der Rechtsanwältin Ulrika Lindner in Villingen mit, denn eine Akte muss unbedingt vollständig und geordnet abgeheftet werden.

Insgesamt hatten sich die Jungs eher technische Betriebe ausgesucht, während die Mädchen lieber in einen Beruf hineinschnuppern wollten, der mit Tieren, Blumen, Akten, Möbeln, oder Schuhen zu tun hatte.

„Wichtig ist vor allem, einen Einblick in die Aufgaben, Tätigkeiten, Tagesabläufe und mögliche Ausbildungsberufe zu erhalten“, erklärte Sr. Helms die Ziele der beiden über zwei Schulhalbjahre verteilten jeweils einwöchigen Praktika. Die Schüler tauschen ihre Erfahrungen im Fächerverbund Wirtschaft-Arbeit-Gesundheit aus und verarbeiten sie in einem Bericht.

Weitere Anregungen zu möglichen Berufen gibt es übrigens am Samstag auf der Berufsfindungsmesse Campus Comenius.


erstellt am 05.11.2014


Französischkenntnisse vor Ort erprobt

Viel Spaß beim ersten Erproben ihrer Sprachkenntnisse hatten 19 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9 und 10, die in Begleitung von Sr. Maurer und Br. Bick nach Südfrankreich gefahren sind. Sie waren in Gastfamilien in Saint Chamond untergebracht, wo sie von der Gastfreundschaft begeistert waren. Bereits am Tag nach der Ankunft wurde die Gruppe von Schulleiter Eric Mauduis mit einem kleinen Imbiss begrüßt und durfte anschließend den Schulalltag in Frankreich erleben.

Morgens arbeiteten die Schüler an einem Projekt, bei dem sie in Kleingruppen Fotoromane erstellten und nachmittags erkundeten sie gemeinsam mit ihren Austauschpartnern die Region. Neben einem Besuch in Lyon standen Bowling, Schlittschuhlaufen und andere Aktivitäten auf dem Programm, wodurch sich Deutsche und Franzosen noch besser kennen lernten. Alle freuen sich bereits jetzt auf den Gegenbesuch im kommenden Frühjahr.

Holger Bick


erstellt am 03.11.2014


Zinzendorfschüler pflanzen Bio-Kartoffeln in Marokko

Auch in diesem Jahr war wieder eine Gruppe von Zehntklässlern am mittlerweile zur Tradition gewordenen Schüleraustausch in Casablanca beteiligt. Natürlich durften die wichtigen Highlights wie Rabat, Marrakesch mit der Place Djemaa el Fna, El Jadida und das Wellenreiten im Atlantik nicht fehlen. Zusätzlich gab es in diesem Jahr aber einen neuen Programmpunkt: Der Besuch eines Biobauernhofs bei Casablanca. Der Besitzer gab den Schülern einen guten Einblick in seine Kooperative und erklärte in gut verständlichem Französisch seine Vorstellung von biologischem Landbau.

Bei einem Rundgang durch die Felder pflanzten die Schüler Kartoffeln und freundeten sich mit dem Esel des Hofes an. Abgerundet wurde der Besuch durch ein köstliches, typisch marokkanisches  Tajine-Gericht, das die Schüler und die begleitenden Lehrer, Br. Jehle und Sr. Berberich-Ebner, gemeinsam genießen durften.

Viel zu früh, nach Meinung der Schüler, ging der Flieger wieder nach Europa, und so freuen sich alle auf ein Wiedersehen beim Gegenbesuch der marokkanischen Schüler im Frühjahr.

Ulrich Jehle


erstellt am 30.10.2014


Zinzendorfschulen

Staatlich anerkannte Schulen
mit Internat in Trägerschaft der Herrnhuter Brüdergemeine
78126 Königsfeld im Schwarzwald

  • Allgemeinbild. Gymnasien (G8 und G9)
  • Berufliche Gymnasien (SG und WG)
  • Realschule
  • Fachschulen für Sozialpädagogik
  • Berufsfachschulen