Archiv

Vorweihnacht im Mädcheninternat

Lisa ist eine ehemalige Internatsschülerin des Erdmuth-Dorotheen-Hauses. Wenn sie von der Adventszeit im Mädcheninternat erzählt, kommt sie ins Schwärmen. „Den ersten Advent im Internat zu erleben, ist etwas ganz Besonderes. Das gibt es so nur einmal“, sagt sie lächelnd.

Außerhalb des Internats bleibt vielen Eltern, Lehrern und auch Königsfeldern oft verborgen, welche besondere Stimmung sich im Laufe des ersten Adventssonntags im EDH aufbaut, und wie die Mädchen miteinander die Vorweihnachtszeit erleben.

Lord of the Dance

Morgens um acht hört man das vertraute Knarren der Holzböden bei jedem ansonsten leise gehaltenen Schritt. Die Stufensprecherinnen stehlen sich leise aus ihren Zimmern und treffen sich mit allen Erzieherinnen in einem der Büroräume. Dort wird die Gitarre gestimmt und ein Liedblatt ausgeteilt. „Lord of the Dance“ ist seit Jahren der absolute Hit unter allen Liedern, die an diesem Tag sonst noch gesungen werden.

Nachdem sich alle eingesungen und den letzten Schlaf aus den Augen gewischt haben, geht es auf die Flure. Dort wird dann kräftig gesungen – bis zur letzten Strophe: „Dance, dance, wherever you may be...“ Die Erzieherinnen öffnen die Zimmertüren und begrüßen die Mädchen an diesem Morgen singend mit einem kleinen Teelicht und einem prall gefüllten Beutel mit Weihnachtsleckereien.

Gesungen wird auch für das Küchenpersonal, das an diesem Tag einen wahren Marathon hinzulegen hat.

Eine alte Tradition

Um neun Uhr versammeln sich die Mädchen, die Lust dazu haben, oft noch im Schlafanzug und mit Kuscheldecke im festlich geschmückten Kaffeezimmer zu einer besinnlichen Geschichte.

Bei dieser Gelegenheit erzählt Schwester von der Decken, die Internatsleiterin, dann gerne auch davon, wie es früher im Internat war: Die Kinder, die anfänglich im Internat lebten, verbrachten viele Monate oder gar Jahre von ihren Eltern getrennt. Um diesen Kindern die Zeit vor Weihnachten etwas zu versüßen, wurde der erste Advent zu einem besonderen Festtag erkoren. Die von Heimweh geplagten Kinder sollten auf besondere Weise geweckt werden und an diesem Tag ein festliches Mahl erhalten, bei dem sie auch von den Erzieherinnen und Lehrern bedient wurden – ganz im Sinne der Brüderlichkeit.

Daraus hat sich in unserer Zeit der festliche Adventsbrunch entwickelt. Zu den Klängen von „Macht hoch die Tür“ ziehen die Mädchen in den alten EDH-Speisesaal ein. Dort wird dann ausnahmsweise an einer langen Tafel gespeist, die üppig dekoriert ist. Traditionell gehört auch ein Schokoapfel auf jeden Teller.

Schulpfarrer Bruder Fischer klettert mithilfe einer Leiter zu dem riesigen Adventskranz hinauf, der von der spätbarocken Decke des Saales hängt, um dort die erste Kerze feierlich zu entzünden. Auch er nimmt die Mädchen gedanklich mit sorgfältig gewählten Worten weiter hinein in die Adventszeit.

Vor und nach dem gemütlichen Essen wird wieder musiziert. Jedes Jahr ist es schön mitzuerleben, welches Mädchen sich mit seinem Instrument einbringt – im einen Jahr sind es Flöte, Violine und Cello, im nächsten dafür Saxophon, Fagott oder Sologesang. Fröhlich endet das Festmahl mit „Lord of the Dance“, wobei spätestens beim letzten Refrain ausgelassen getanzt wird.

Eltern und Freunde zu Gast im Haus

Am Nachmittag ergänzen Eltern und Freunde der Internatsschülerinnen die Festgemeinschaft. Beim gemeinsamen Kaffeetrinken erleben die Eltern vielfältige Beiträge, vom Schattenspiel bis zum Gedichtvortrag und von der klassischen Pastorale bis zum Jazzstück. Auch die Schülerinnen aus dem „7. Himmel“ bereiten jedes Jahr einen meist bis zuletzt streng geheim gehaltenen Programmpunkt vor, der von ihrem Leben im Internat handelt oder die Erzieherinnen aufs Korn nimmt.

Abgerundet wird der Nachmittag durch einen Besuch der Hosiannastunde, die von einigen Eltern mit ihren Internatskindern gemeinsam gerne wahrgenommen wird.

Schenken und beschenkt werden

Besonders in der Vorweihnachtszeit setzen sich die Mädchen für Kinder ein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Derzeit unterstützen sie mit einem Jahresbeitrag das ostindische Mädchen Lanyorin, das aus einer kinderreichen Reisbauernfamilie stammt.

An mehreren Wochenenden wurde gebacken, Marmelade gekocht und gebastelt, um den Weihnachtsstand am ersten Advent reichhaltig zu bestücken. Durch den erfolgreichen Verkauf werden Schulgebühren, Schuluniform und Unterrichtsmaterial für Lanyorin ein weiteres Jahr getragen.

Darüber hinaus haben einige Internatsschülerinnen in diesem Jahr vier Kinder in Osteuropa über die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ beschenkt. Aus dem Überschuss des Weihnachtsstandes kann nun sogar noch ein drittes soziales Projekt unterstützt werden.

Seit Jahren finden sich zudem immer genügend Mädchen aus dem EDH, die bereit sind, die Weihnachtsfeier der ehemaligen Zinzendorf-Mitarbeiter und die Weihnachtsfeier bei den Senioren im Christoph-Blumhardt-Haus musikalisch zu umrahmen.

Aber die Mädchen geben in der Adventszeit nicht nur, sie werden auch beschenkt. Das gemeinsame Wichteln mit den Erzieherinnen hat nun schon auch lange Jahre Tradition und es ist für die meisten ein Riesenspaß, das „Wichtelkind“ möglichst lange im Dunkeln zu lassen, wer denn die dazugehörige „Wichtelmama“ ist. Kurz vor der Abreise in die Weihnachtsferien wird das hoffentlich gut gehütete Geheimnis schließlich gelüftet.

So rückt die Internatsgemeinschaft in der Vorweihnachtszeit merklich zusammen. Das spüren auch die „Neuen“ in jedem Jahr. Nach Weihnachten hat man zueinander gefunden.

 

Michaela Wedel

 

 


erstellt am 08.12.2014


Fachmann spricht über ADHS

Weltweit sind etwa fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen, wie der Fachmann, Theologe, Buchhändler und Autor Uwe Metz am Freitag rund 30 Zuhörern an den Zinzendorfschulen erklärte, die der Einladung der Selbsthilfegruppe für Menschen mit ADHS, Regionalgruppe Villingen-Schwenningen, nach Königsfeld gekommen waren. „Egal, ob in Deutschland oder in Papua-Neuguinea, die Zahl ist seit Jahren konstant.“

Ebenfalls unverändert sei der Anteil der Betroffenen, die diese Störung auch noch im Erwachsenenalter haben, er liegt bei 30-50 Prozent. ADHS sei eine neue Bezeichnung für ein sehr altes Phänomen. Einer Theorie zufolge hätten schon die sprichwörtlichen Berserker ADHS gehabt, eine andere Theorie besagt, dass ADHS-Patienten sämtliche Eigenschaften der Jäger- und Sammlerkultur in sich vereinen.

ADHS sei demnach kein Defizit, sondern eher ein Zuviel. „Die Festplatte ist immer voll“, sagte Metz und verdeutlichte, wie sie Menschen mit ADHS fühlen, indem er Zuschauern Karten zuwarf. Solange er sie einzeln nacheinander warf, waren die Probanden sehr wohl in der Lage, sie aufzufangen. In dem Moment jedoch, in dem er alle auf einmal warf, misslang es und die meisten Karten fielen zu Boden. Im seinem kurzweiligen Vortrag erläuterte Uwe Metz,  dass ADHS auch ein großer Gewinn sein kann.


erstellt am 08.12.2014


Schüleraustausch der Realschule und Werkrealschule mit Wingen sur Moder

Zum 18. Mal hat sich der Schüleraustausch mit Wingen sur Moder gejährt, so fuhren 14 Schülerinnen und Schüler der Realschule und der Werkrealschule vom 1. bis zum 3. Dezember nach Frankreich, genauer gesagt ins Elsaß, belgeitet vom Abteilungsleiter der Realschule Br. Giesel und Schwester Jehle.

Br. Giesel bedankte sich bei Herrn Unterleitner, dem Schulleiter des Collège Suzanne Lalique-Haviland, und den beteiligten Kollegen dafür, dass der Austausch zwischen Königsfeld und Wingen über so viele Jahre stattfinden konnte. Nach einem freundlichen Empfang ging die Fahrt zum letzten Holzschuhmacher des Ortes Sought sowie zur Produktionsstätte der weltberühmten Glaskugeln nach Meisenthal.

Der zweite Tag war dem lebendigen Geschichtsunterricht gewidmet, eine Besichtigung der Maginotlinie mit dem Fort Casso ließ den Alltag der Truppen lebendig werden. 25 Meter unter der Erdoberfläche ging es zurück in die Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs, es gab Küchen, Schlafräume, Festsaal und Krankenstation zu besichtigen. 

Schnell kam der letzte Tag des Ausflugs, eine Stadtbesichtigung von Straßburg und der Besuch des Weihnachtsmarktes. Leider hieß es viel zu früh Abschied nehmen, war es doch der letzte Austausch der Realschüler und Werkrealschüler in dieser Form. Eine Freude bleibt uns noch: Die Wingener kommen im März zum Gegenbesuch nach Königsfeld.

Susanne Jehle


erstellt am 08.12.2014


Schreibübungen beim Jugendbuch-Autor

Sprudelnde Fantasie bewiesen die Sechstklässler verschiedener Schularten der Zinzendorfschulen, als der hessische Jugendbuchautor Uwe Metz mit ihnen Schreibübungen machte.  „Das sind großartige Geschichten“, schwärmte er begeistert, nachdem seine jungen Zuhörer aufbauend auf dem Einstiegssatz („Die Lichter im Haus erloschen, das Haus lag im Finstern.“) mindestens einen zweiten Satz formuliert hatten. Dabei bedienten sich die Schülerinnen und Schüler verschiedener Genres vom Krimi über Fantasy und Gruselgeschichte bis zur Fabel. In einer Geschichte kommt „Jacky, die Mörderpuppe“ und beißt den Bewohnern ein Ohr ab, in einer anderen schleicht sich Dieter Bohlen um die Ecke. „Er hat es auf meine Schwester abgesehen, denn sie hatte ihm bei DSDS gehauen“, fantasierte eine Sechstklässlerin.
„Ihr habe Euch richtig in die Vollen gelegt“, lobte Metz, der zuvor sehr bildhaft aus seinen eigenen Werken gelesen hatte. Die Figuren erwachten regelrecht zum Leben, als er eine Passage aus seiner Trilogie „Die verborgene Gesellschaft“ vortrug, in der es unter anderem um magisch begabte Menschen, einen verschwundenen Forscher, sehr schräge Geheimagenten und einen schottischen Whisky-Liebhaber geht. „Seine Bücher sprudeln nur so von Ideen“, meinte der Deutschlehrer Br. Färber, der die Lesung dank der Vermittlung einer Altschülerin organisiert hatte, „daraus machen andere zwei Bücher.“

Die Schüler durften aber auch hinter die Kulissen der Schriftstellerei blicken. Uwe Metz erzählte, wie er und seine verstorbenen Schriftstellerkollegen ans Werk gehen. Hubert Fichte etwa pinnte seine Manuskriptseiten an die Wand und betrachtete sie wie ein Maler mit Abstand, Ernest Hemingway ging zum Schreiben gerne in Cafés, andere können nur an ihrem Lieblingsplatz im Garten schreiben. Er selbst schreibt gerne, wenn er mit dem Zug fährt. „Bei mir fließen die Ideen, wenn ich in Bewegung bin.“ Seine handschriftlichen Notizen, die für Außenstehende nicht unbedingt klar zu erkennen sind, müsse er natürlich später am Computer in Reinschrift bringen, da seine Einfälle oft völlig durcheinander sind. „Mit meiner der Sauklaue – und nur damit – gleiche ich Friedrich Schiller.“

Der nächste Schritt ist die Recherche. Um sich seine Figuren vorzustellen, entwickelt er ihnen schon einmal einen Stammbaum und malt ihnen ein Familienwappen, „auch, wenn das im ganzen Buch nicht einmal vorkommt“.  Mit der Technik, sich auf ungewöhnliche Art in seine Figuren hineinzudenken, hat er ein prominentes Vorbild: „Thomas Mann hat für seine Romancharaktere Unterschriften entwickelt“, erklärte der Buchhändler und Autor seinen Zuhörern, bevor sie ihn mit Fragen löcherten: „Wie viel verdienen Sie?“, „Wie lange brauchen Sie für ein Buch?“, „Wie viele Bücher haben Sie verkauft?“ und „Wird es nach dem 3. Band noch eine Fortsetzung geben?“ wollten die Schüler wissen.

Bevor er ein Manuskript abgibt, bearbeitet Uwe Metz es noch einmal. „Dabei achte ich auf Ausdruck, Satzbau, Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung“, erklärte er. Wenn er seine Geschichten aufschreibt, seien solche Dinge erst einmal zweitrangig, aber später muss er „mit dem Hobel“ rübergehen.

Den Schülern hat die lebendige Lesung mit Workshop sichtlich Spaß gemacht. Bei den Schreibübungen waren sie mit Begeisterung dabei und viele ließen sich am Ende ein Autogramm geben.


erstellt am 05.12.2014


8R beim Nikolausmarkt im Christoph-Blumhardt-Haus

Die 8R hat den Bewohnern des Christoph-Blumhardt-Hauses eine große Freude bereitet: Beim jährlichen Nikolausmarkt haben sie die Besucher mit Liedern und Gedichten erfreut. Bevor sie auf die Bühne im festlich dekorierten Innenhof des Alten- und Pflegeheims stiegen, hatten sie sich in den Räumlichkeiten umgesehen und sich alles erklären lassen. „Diese Begegnung ist schon eine erste Vorbereitung auf das Sozialpraktikum, das im Februar beginnt“, erklärte Schulpfarrer Br. Fischer, der im Fach Religion den Beitrag der Zinzendorfschulen an dem kleinen Nikolausmarkt koordiniert hatte.


erstellt am 04.12.2014


Zinzendorfschulen

Staatlich anerkannte Schulen
mit Internat in Trägerschaft der Herrnhuter Brüdergemeine
78126 Königsfeld im Schwarzwald

  • Allgemeinbild. Gymnasien (G8 und G9)
  • Berufliche Gymnasien (SG und WG)
  • Realschule
  • Fachschulen für Sozialpädagogik
  • Berufsfachschulen