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„Wir waren mit dem Leben davongekommen!" - Zeitzeugen berichten von ihrer Schulzeit in den 1940er Jahren

Rund 70 Jahre ist es her, dass sie ihr Abitur abgelegt haben, und noch immer treffen sich die Altschüler der Zinzendorfschulen einmal im Jahr in Königsfeld. In zwei Geschichtskursen der Oberstufe des Zinzendorfgymnasiums haben rund ein Dutzend Zeitzeugen von ihrer Schulzeit berichtet, die in vielen Bereichen so ganz anders war als die der heutigen jungen Menschen.

Lebensmittel waren knapp, die Räume kalt. „Zum Frühstück wurden rohe Kartoffeln in kochendes Wasser gerieben“, erinnerte sich Günther Siegfried und es kam schon mal vor, dass sie nachts aus dem Bett geholt wurden, um einen Lastwagen voller Rüben zu entladen, weil diese sonst bis zum nächsten Morgen erfroren gewesen wären. „Im Januar 1942 war es bitter kalt“, wissen die Altschüler noch heute. Das Thermometer habe 32 Grad unter null gezeigt, geheizt wurde in den Schlafsälen trotzdem nicht, im Gegenteil – die Fenster standen immer offen. „Morgens war oft das Bettzeug an den Fußenden festgefroren.“

Die Bewohnerinnen des Mädcheninternats hatten es ein bisschen leichter. Sie durften abends ihre metallenen Wärmflaschen mit heißem Wasser füllen und morgens wurde eine halbe Stunde vor dem Wecken geheizt. „Aber nur die Stuben“, erinnert sich Siegrid Meyer, „während an den Wänden der Flure das Eis glitzerte.“ Nach dem Essen halfen sie den Erzieherinnen, das Geschirr zu spülen, die Jungen mussten ihre Schreibtische immer penibel aufräumen. Wenn da mal ein Stift im falschen Winkel lag, war die Vorlesestunde für den betreffenden Schüler gestrichen. Doch diese Entbehrungen hatten die Schülerinnen und Schüler nicht als besonders schlimm empfunden. „Wir waren damals nicht so empfindlich“, sagt Siegrid Meyer.

Noch heute müssen die Altschüler kichern, wenn sie sich an die Zeit erinnern, als Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet wurden. „Das was ziemlich aufregend“, fanden sie, denn außer im Unterricht hatte es kaum Begegnungen gegeben. „Wenn wir frei hatten und zum Einkaufen gingen, telefonierten die Erzieher vorher immer miteinander, damit wir uns auch ja nicht im Ort begegnen können“, erinnert sich Liselotte Kirchgässner, geborene Gieck. Die Mädchen durften erst losgehen, wenn die Jungen wieder in ihrem Internat waren.

Nach dem Krieg kehrten einige der Schüler zurück an die Zinzendorfschulen und da begann für sie die beste Zeit. Auch wenn sie sich vorwiegend von selbst gesammelten Pilzen, Topinambur und Brennesselgemüse ernährten: „Wie waren mit dem Leben davongekommen!“, beschrieb Hans Nutz das Gefühl, das ihre Stimmung damals prägte.

Viel mehr als die karge Ernährung hatte die jungen Menschen die fehlende Bildung belastet. „Wir hatten zwei oder drei Jahre keinen Unterricht gehabt und waren ausgehungert nach Wissen.“ Sie entdeckten Bücher, die unter dem nationalsozialistischen Regime verboten gewesen waren, lasen Thomas Mann und lernten Französisch, indem sie sich Texte von Descartes diktieren ließen – denn Schulbücher gab es nicht.


erstellt am 08.05.2014


Erlebnis und Nervenkitzel beim Schülerwettbewerb

Ihre Kreativität kannte kaum Grenzen, als die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen des Zinzendorfgymnasiums eine ebenso schwierige wie spannende Aufgabe anpackten: Sie nahmen im NWT-Unterricht bei Sr. Blötscher und Sr. Jehle an einem Schülerwettbewerb teil, bei dem sie ihre technische Begabung mit dem Bau von funktionsfähigen Achterbahn-Modellen unter Beweis stellen mussten. Die Bedingung: Die Materialien mussten so einfach wie möglich sein und ohne den Einsatz von Industriemaschinen bearbeitet werden.

Die Ingenieurkammern der Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland hatten zum Wettstreit LoopIng aufgerufen und allein in Baden-Württemberg beteiligten sich mehr als 2100 Teilnehmer in 120 Schulen an dem Wettbewerb. Rund die Hälfte von ihnen – darunter auch die Zinzendorfschüler – durfte nach der Preisverleihung und einer technischen Einführung im Europapark Rust die echten Achterbahnen wie Silverstar und Euromir nach Herzenslust testen.

„Das diesjährige Thema "loopING" ist besonders vielversprechend, bedeutet es doch Erlebnis und Nervenkitzel“, sagte der Schirmherr, Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Die Herausforderung bestehe jedoch nicht nur aus dem emotionalen Aspekt. „Schließlich müssen die Modelle im Kleinen dieselben Anforderungen an Stabilität und Sicherheit erfüllen wie die real existierenden großen Achterbahnen auf Festplätzen und in Erlebnisparks", so Stoch.

„Die Achtklässler waren anfangs mit den physikalischen Grundlagen dieser Materie noch nicht so vertraut, dass sie die Schwungbahnen und Überhöhung berechnen konnten“, sagte Sr. Jehle. Doch im Laufe der fünfmonatigen Projektphase wurden die Jungen und Mädchen immer besser, bis die Kugeln, welche jeweils den Querschnitt der Fahrbahn bestimmten, flüssig durch diese sausten. Und dann ging es ans Ausschmücken: Einige Exemplare bestachen allein durch die schlichte Schönheit der Konstruktion, andere wurden mit Blümchen und Glitter verziert.

Wie die Achtklässler bei der Preisverleihung feststellten, konnten ihre Arbeiten qualitativ gut mit denen der anderen mithalten, auch wenn es am Schluss dann doch nicht für die nächste Runde des Wettbewerbs gereicht hat. Profitiert haben sie dennoch: „Bei der Arbeit an dem Projekt wurden Teamfähigkeit und partnerschaftliches Denken trainiert“, konnte Susanne Jehle beobachten. „Zugleich konnten die Schülerinnen und Schüler sowohl ihre Frustrationstoleranz als auch ihr Durchhaltevermögen schulen, wenn mal etwas nicht so funktioniert hat, wie es sollte.“


erstellt am 06.05.2014


Prüfungen zu Mittleren Reife haben begonnen

Das erste Drittel haben sie geschafft: 39 Zehntklässler der Realschule haben am letzten April-Tag die erste von drei schriftlichen Prüfungen zur Mittleren Reife abgelegt.

Vier Stunden hatten sie Zeit, um eine von vier Aufgaben zu bearbeiten. Sehr zeitgemäß war die dritte Aufgabe, in der es um das Lesen, Auswerten und Schreiben von Texten ging. Hier war das Rahmenthema "Generation online - leben in verschiedenen Welten?"

In der kommenden Woche stehen Mathe und Englisch auf dem Prüfungsplan, danach können sich die Schüler ein paar Wochen erholen und auf die mündliche Prüfung in der zweiten Juli-Woche vorbereiten.

Mit der Mittleren Reife muss es noch lange keinen Abschied von den Zinzendorfschulen geben: Die Absolventen der Realschule können auf einem der beiden beruflichen Gymnasien das Abitur machen oder sich an einer der beiden Fachschulen zur staatlich anerkannten Erzieherin beziehungsweise Erzieher ausbilden lassen und wahlweise zusätzlich die Fachhochschulreife erwerben.


erstellt am 30.04.2014


Besuch aus dem Bundestag - Thorsten Frei diskutiert mit Zinzendorfschülern

Gut vorbereitet hatten sich 13 Schülerinnen und Schüler des Zinzendorfgymnasiums auf ihren Besucher: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei hatte sich geschlagene zwei Stunden Zeit genommen, um den Jugendlichen, die beim Kursleiter Br. Kreihe den vierstündigen Gemeinschaftskundekursus belegen, Rede und Antwort zu stehen. „Ich finde es bemerkenswert, dass Ihr ohne Rücksicht auf Klingeln und Uhrzeit so lange mit mir diskutiert“, staunte Frei am Ende.

Der ehemalige Donaueschinger Bürgermeister, der seit einem halben Jahr im Deutschen Bundestag den Wahlkreis Schwarzwald-Baar und Oberes Kinzigtal vertritt, verriet, dass er gerne Geschichte studiert hätte, weil das in der Schule neben Deutsch sein Lieblingsfach gewesen sei. „Doch die Vernunft hat gesiegt“, sagte er, weshalb er sich für ein Jura-Studium entschieden hatte. In die Politik sei er gegangen, weil er schon immer politisch sehr interessiert gewesen sei. „Seit Ende der 1980er Jahre habe ich mich ehrenamtlich in der Politik engagiert.“ Ein Jahr vor dem Abitur, als er im gleichen Alter war wie die Zinzendorfschüler, mit denen er diskutierte, war er bereits Vorsitzender der Jungen Union im Kreis Waldshut.

Nach dieser kurzen Vorstellungsrunde ging es dann schon ins Detail: Wie er denn zu Bürgerentscheiden stehe, wollte ein Schüler wissen. „Ich bin kein großer Freund der direkten Demokratie“, sagte Frei. Bürgerbegehren und Bürgerentscheide würden oft aus Ablehnung von etwas initiiert und das Quorum sei oft sehr niedrig angesetzt. „Dadurch passiert es leicht, dass nicht die Mehrheit Recht bekommt, sondern diejenigen, die am lautesten ihre Meinung vertreten.“ Der Schüler hielt dagegen, dass der zur Diskussion stehende Punkt denen, die leise sind, dann wohl nicht so wichtig sei.

Der Abgeordnete schilderte eine typische Berliner Arbeitswoche und den Ablauf verschiedener Sitzungen wie beispielsweise im Unterausschuss Zivile Krisenprävention und verteidigte den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, wobei er eingestand, dass man am Anfang zu euphorische Pläne gehabt habe. „Aber nur, weil man etwas nicht perfekt hinbekommt, sollte man es nicht gleich ganz sein lassen.“

Eine ähnliche Einstellung hat er zu den Bemühungen um eine Beendigung der Krise in der Ukraine. „Man kann nicht gar nichts machen“, meinte Frei. Doch militärische Mittel stünden hier nicht zur Debatte, die Folgen wären unabsehbar. Wirtschaftssanktionen seien noch das mildeste Mittel, „jedoch schaden diese nicht nur den Russen, sondern auch Unternehmen im Wahlkreis“.

Der Bogen spannte sich weiter über die Themen Freihandelsabkommen inklusive Gen-Mais, Waffenhandel, das Lohn-Abstandsgesetz, die Legalisierung weicher Drogen bis hin zum Asyl für Edward Snowden. Für diesen gebe es keinen Asylgrund, erklärte Frei, da er nach US-amerikanischen Gesetzen ein Krimineller sei. „Und an Recht und Gesetz muss man sich halten“, so Frei, „wenn man mit den Gesetzen nicht einverstanden ist, sollte man in die Politik gehen.“


erstellt am 29.04.2014


Altschüler jetzt erfolgreicher Jungautor

Mit dem Preis der Leipziger Buchmesse verhält es sich ähnlich wie mit dem Filmpreis "Oscar": Schon allein die Nominierung ist eine hohe Auszeichnung. Fünf Debüt-Romane waren in diesem Jahr in der Sparte Belletristik für den angesehenen Literaturpreis nominiert, darunter das Erstlingswerk eines Absolventen der Zinzendorfschulen - Fabian Hischmanns Roman "Am Ende schmeißen wir mit Gold".

Dass sich die Jury für ein anderes Werk entschieden hat, tat der Publicity keinen Abbruch und so erschien vor den Osterferien auch ein Filmteam des ARD-Spartenkanals EinsPlus in Königsfeld, um den jungen Autor vor seiner ehemaligen Schule zu interviewen.

Den Rummel um seine Person fand er schon gewöhnungsbedürftig. "Seit der Nominierung hatte ich jeden Tag zwei Interviews und war schon drei Mal im Fernsehen, es ist absurd", meint Fabian Hischmann. Im Jahr 2000 kam der gebürtige Donaueschinger, der mittlerweile in Berlin lebt, ans Sozialwissenschaftliche Gymnasium , wo er drei Jahre später sein Abitur ablegte.

Seine damalige Deutschlehrerin Sr. Kleist-Ehrenfeuchter erinnert sich noch gut an ihn, vor allem an seine Mitwirkung an der "Antigone"-Inszenierung: "Er übernahm mit der Rolle des Wächters die einzige in dieser Tragödie, die auch komische Züge aufweist. Diesen hat er mit so viel Charme und Witz gespielt, dass man wirklich sagen kann, dass sich hier bereits sein schauspielerisches Talent gezeigt hat. Es freut mich sehr, dass er das Theater und die Literatur zu seinem Beruf gemacht hat und damit auch erfolgreich ist!"

Ein weiterer Roman ist derzeit nicht in Planung: "Jetzt muss ich erst einmal den Kopf freibekommen", sagt Hischmann, der manchmal etwas wehmütig an die Zeit in Königsfeld zurückdenkt: "Weil es schon elf Jahre her ist. Und weil es den PLUS nicht mehr gibt, in dem ich täglich Trinkpäckchen und Waffeln gekauft habe."


erstellt am 25.04.2014


Zinzendorfschulen

Staatlich anerkannte Schulen
mit Internat in Trägerschaft der Herrnhuter Brüdergemeine
78126 Königsfeld im Schwarzwald

  • Allgemeinbild. Gymnasien (G8 und G9)
  • Berufliche Gymnasien (SG und WG)
  • Realschule
  • Fachschulen für Sozialpädagogik
  • Berufsfachschulen