Schulorchester

Peter Vollprecht, Leiter der Zinzendorfschulen, ließ es sich nicht nehmen, die zahlreichen Besucher, die sich zum Schulkonzert im Herrnhuter Kirchensaal einfanden, mit persönlichen Worten zu begrüßen. Recht elegant hat dabei die Vorfreude auf das kostenlose Konzert mit dem Hinweis verquickt, daß man sich keineswegs mit akustischen Beifall begnügen müsse - auch klingelnde Münzen seien willkommen. In der Tat haben sich die Schüler an diesem Abend eine Sondergage verdient. Nach regelmäßigen und fleißigen Proben seit den Sommerferien und einer abschließenden intensiven Musikwoche präsentierten sich die Mädchen und Jungen in munterer Spiellaune. Unter der Leitung von Reinhard Ziegler und der Mitwirkung weiterer Musiklehrer boten sie ein vielseitiges und anspruchsvolles Programm, das vom Jazz über die Kammermusik bis hin zu sinfonischer Ballettmusik reichte.

Der Auftakt war den Jazzern vorbehalten und entwickelte sich flugs zu einer beschwingt-fröhlichen Mini-Session. Der satte Sound und der bravouröse Drive mit dem die Teens bekannte Melodien von Duke Ellington und Kenny Dornham zu Gehör brachten, stand dem altehrwürdigen Kirchensaal ausgesprochen gut zu Gesicht und auch Gershwins "Summer-time", dem Laura Fuchs und Simon Stöcklin durch sichere und gefühlvolle Melodieführung wirkungsvolle Spannung, ging unter die Haut. Eine sympathische Truppe - diese Jazzer. Von ihnen hätte man glatt noch mehr hören mögen. Prima also, daß der donnernde Applaus eine Zugabe preisgab.

Den Kammermusikern, die nach diesem furiosen Auftakt mit ruhigeren und ernsteren Tönen überzeugen mußten, gebührt aller Respekt für die erstaunliche Tatsache, daß sie das Publikum ad hoc für ihren Part des Abends zu fesseln vermochten. Thomas Kuhner (Posaune), Marcus Rapp (Klavier) und Arndt-Johannes Wolber (Violine) spielten mit Werken von Tschaikowsky, Schumann, Larsson und Beethoven auf und bannten mit konzentrierten Vorträgen, harmonischem Zwischenspiel und gefühlvollen Interpretationen. Geradezu perfekt war übrigens das elegante Outfit des Kammertrios - wen wundert es da, daß sich zu den drei Herren nach dem Schlußakkord prompt drei rosenbewehrte Damen gesellten?

Die Jüngsten, nämlich die Siebtklässler, durften den dritten und letzten Teil des Konzertes mitgestalten. Ihr Glockenspielorchester wurde kurzerhand ins Schulsinfonieorchester integriert und gemeinsam ging man nun ans Werk, um Tschaikowskys komplette Nußknackersuite zu intonieren. Das Ergebnis dieser außergewöhnlichen Mischung setzte in Erstaunen. Reinhard Ziegler erreichte mit seiner pfiffigen Bearbeitung dieses Notenwerks eine wirklich spritzige und schillernde Wirkung. So hell und freundlich, so fröhlich, ja geradezu übermütig hat man das volkstümlich anmutende Werk noch nicht gehört. Das bunte Kolorit, das dieser beliebten Ballettmusik ihren Charakter verleiht, wurde durch die klangzaubernde Glockenspielerschar noch intensiver, der ohnehin sehr abwechslungsreiche Tanzreigen durch die Wechselwirkung zwischen Reimen und glockenspielverstärktem Orchester noch deutlicher und die klangliche Originalität, die diesem Werk seinen Charme verleiht, gewann an Ausdruckskraft hinzu.

Freilich konnte sich dieses musikalische Gesamtbild nur deshalb so schön entfalten, weil das Orchester durch zahlreiche erfahrene und sicher agierende Musiker auf ein festes und solides Fundament gebaut ist. Die positive Wirkung, die die jungen Musiker versprühten, widerhallte an den Kirchenmauern, die vor Beifallsgetöse zu wackeln drohten. Die beiden Zugaben waren da natürlich Ehrensache.

Leitung: Herr Ziegler
Teilnehmerzahl: beliebig
Ort: Schule/Musiksaal
Zeit: Freitag, 14:00 Uhr
Teilnehmer: ab Klasse 8