Dementius und Dementine: Gastspiel zum Thema Demenz

20.06.2013

Dementius und Dementine: Gastspiel zum Thema Demenz

Nachdenkliche Gesichter bei bekannten Situationen, erleichtertes Lachen, als eine Lösung vorgeschlagen wird, begeisterter Applaus angesichts des gleichsam unterhaltsamen wie lehrreichen Theaterstücks: Das waren die Reaktionen der Achtklässler vom Zinzendorf-Gymnasium und der Zinzendorf-Realschule, als am Mittwoch das Stück "Dementius und Dementine" zu sehen war, welches das VillingerBrennpunkttheaterin Zusammenarbeit mit Altenpflegern und Altenpflegeschülern entwickelt hat.
Das Stück, das in verschiedenen Szenen den typischen Krankheitsverlauf schildert, soll die Bevölkerung, vor allem aber junge Menschen, für die Krankheit sensibilisieren. Viele Schülerinnen und Schüler haben in ihrer Familie oder in ihrem Umfeld schon einmal die Auswirkungen einer Demenz beobachten können, denn jeder Vierte über 80 ist erkrankt, bei den über 90-Jährigen sogar schon jeder Zweite. Da ist es besonders wichtig zu erfahren, warum der Opa sie auf einmal nicht mehr erkennt, weshalb Oma immer wiederholt, was sie schon drei Sätze zuvor gesagt hat und wieso sich der alte Nachbar plötzlich auf dem Weg zum Bäcker verläuft.
Parallel zu dem Geschehen auf der Bühne sind in einer an die Wand projizierten Präsentation Hintergrundinformationen zu lesen. Die Erkrankten benehmen sich wunderlich, verlegen Dinge, verwechseln Salz und Zucker, sind misstrauisch zum Teil bis hin zur Aggressivität und leben oft in der Vergangenheit.Eine Schlüsselszene zeigt eine Altenheimbewohnerin, die plötzlich um Jahrzehnte zurückversetzt ist und sich als junge, schwangere Frau sieht.
Während all die logischen Erklärungsversuche der Pflegerinnen nicht helfen und die Situation nur verschlimmern, kann die Kranke nur durch Bestätigung beruhigt werden. "Aber wir können sie doch nicht anlügen!" meint die junge Pflegerin, woraufhin ihr erklärt wird, dass es kein Anlügen ist, sondern eher ein Abholen von dort, wo sie sich gerade befindet.
Der Schulpfarrer Br. Fischer wollte nach der Aufführung von den Altenpflegern wissen, wie sie professionell mit der Krankheit umgehen können. "Man muss Abstand wahren, abends abschalten und darf kein Angehöriger sein", erklärte eine der Darstellerinnen. Ihr Kollege ergänzte, dass in diesem Beruf die Liebe zum Menschen entscheidend sei und betonte, wie wichtig es ist, den Respekt vor dem Demenzkranken nicht zu verlieren.
Unter den Zuschauern war auch Peter Graf zu Dohna vom Arbeitskreis Demenz im Schwarzwald-Baar-Kreis, der das Theaterstück, das seit seiner Premiere vor drei Jahren etwa 30 Mal aufgeführt wurde, seinerzeit angeregt hatte. "Ich war gespannt, wie die Kinder darauf reagieren", sagte der Mediziner. Aus Erfahrung weiß er, dass Kinder viel von ihren Erlebnissen und von dem Gelernten in die Familien tragen.

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