Aggressionsforscher referiert bei Fortbildung für Zinzendorfschüler

13.03.2013

Aggressionsforscher referiert bei Fortbildung für Zinzendorfschüler

Nicht alle sind kleine Unschuldsengel, oft fallen schon im Kindergarten Mini-Tyrannen durch aggressives Verhalten auf. Doch wie gehen Erwachsene damit um? Um die angehenden Erzieherinnen und Erzieher noch besser auf ihr Berufsleben vorzubereiten, hat dieFachschule für Sozialpädagogik der Zinzendorfschulen für ihre Schüler, die gerade ein einjähriges Berufspraktikum in Kindergärten, Tagesstätten, Heimen und sonstigen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche absolvieren, eine Fortbildung organisiert.
 Als Referent war der promovierte Psychiater und Psychologe Roland Weierstall geladen, der an der Universität Konstanz zum Thema Aggression forscht und bereits mit ehemaligen Kindersoldaten im Kongo und verurteilten Straftätern gearbeitet hat.
 Gleich zu Beginn seiner Ausführungen musste Weierstall die Erzieher jedoch desillusionieren: „Anti-Aggressionstraining ist wirkungslos“, so seine Überzeugung. Daher hat er seinen Vortrag auch umbenannt in „Aggression: Formen, Funktion, Ursachen – und was man tunlichst nicht machen sollte.“ Wie er später an vielen Beispielen verdeutlichte, können die falschen Reaktionen auf aggressives Verhalten dieses nämlich oft noch verstärken.
 Als Aggression bezeichnete Weierstall „jedes Verhalten, das dazu tendiert, einer anderen Person zu schaden, um damit ein bestimmtes Ziel zu erreichen“. Um dieses Verhalten ändern zu können, sei es zunächst einmal wichtig, es zu verstehen. „Sie machen einen schwerwiegenden Fehler, wenn Sie nur für Aggressionen bestrafen, aber nicht realisieren, woher sie kommen“, warnte er.
 Oft sei Anerkennung oder eine andere Form der Belohnung, die das Kind durch sein aggressives Verhalten bekommt, der Grund dafür. In vielen Fällen seien aber Aggressionen auch der Ausdruck von Überforderung und fehlender Kommunikationsfähigkeit, sei es nur altersbedingt.
 Wenn ein Kind jedoch Anerkennung für sein Verhalten bekomme, sei es schwer, ihm eine Alternative zu bieten. Das sei aber wichtig, denn „bloß, weil Sie es möchten wird sich niemand anderes ändern.“  
 Der Psychologe riet den Zinzendorfschülern, ihre Reaktionen auf Aggressionen klar zu differenzieren. Das Signal: „Dieses Verhalten ist nicht erwünscht“ dürfe nicht in ein „Du bist nicht erwünscht“ interpretierbar sein. Das sein auch das Risiko der „Time-out-Methode“. Ein weiterer Fehler, den Erwachsene häufig machen, sei der Satz, ‚Es gibt doch keinen Grund, dich so zu verhalten.’ Dieser Satz fällt häufig, wenn es dem Kind vermeintlich an nichts mangelt. „Das stimmt einfach nicht“, sagt Roland Weierstall, „es gibt immer einen Grund.“

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