Ein Krug, acht Rollen und ein Schlager : „Der zerbrochene Krug“ im HKG

21.01.2026

Ein Krug, acht Rollen und ein Schlager : „Der zerbrochene Krug“ im HKG

Wie inszenieren Schauspieler allein oder zu zweit ein Stück mit vielen Rollen? Mit Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ hat das Karlsruher Theater Moderne Spiele einmal mehr bewiesen, in welcher Vollendung es diese Kunst beherrscht. In den vergangenen Jahren gastierte das kleine Profitheater bereits mehrfach mit Klassikern, die es zu Ein-Personen-Stücken umgeschrieben hatte, in Königsfeld. Mit seinen sehenswerten Interpretationen brachte es den Gymnasiast*innen der Zinzendorfschulen auch teils sperrige Autoren wie Kafka, Büchner und Hesse nahe.

Nun hatten die Zinzendorfschulen das Klassenzimmertheater erneut eingeladen, um ihren Schülerinnen und Schülern der Oberstufe – ebenso wie zwei Deutschkursen des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums aus St. Georgen – ein weiteres Werk klassischer Literatur lebendig zu vermitteln. Die Komödie um den kaputten Behälter, die 1808 in Weimar uraufgeführt wurde, ist derzeit Pflichtlektüre im Deutschunterricht.

Dabei beließen es die Schauspieler nicht bei einer werkgetreuen Darstellung, sondern „modernisierten“ das Stück behutsam und augenzwinkernd: So wurde dies unter anderem durch die Bekleidung der Darsteller sichtbar, die mit Basecap und Beanie bewusst zeitgenössische Akzente setzten. Auch im Text selbst fanden sich kleine Aktualisierungen, die für zusätzliche Lacher sorgten und das Publikum spürbar einbanden.

Mit viel Humor und Detailfreude verkörperte Rouven Honnef den Dorfrichter Adam, der über eine Tat zu Gericht sitzt, die er selbst begangen hat. Vanessa Silva Bauer schlüpfte souverän und in teils atemberaubendem Tempo in die Rollen der übrigen sieben Hauptfiguren. Diese traten mal als dystopisch wirkende, lebensgroße Puppen auf, mal agierten sie voraufgezeichnet über einen Bildschirm mit den Schauspielern auf der Bühne. Auch dieser kniffelige Kunstgriff war überzeugend umgesetzt: Auf das Stichwort hin mussten Text und Handlung exakt sitzen – etwa wenn die Gerichtsrätin Walter (auch dieser Charakter erfuhr – ebenso wie der Schreiber Licht – eine Transition) den Arm nach einem Glas ausstreckte, das ihr von den Akteuren scheinbar direkt in den Bildschirm hinein gereicht wurde.

Während des Spiels bauten Honnef und Silva Bauer die Bühne immer wieder um. Aus Wänden voller Aktenordner traten Marthe, ihre Tochter sowie deren Verlobter und dessen Vater als Puppen hervor, die mal allein durch ihre Stimmen lebendig wurden und ein anderes Mal Maske und Kostüm an die menschliche Darstellerin „übergaben“.

Für besondere Heiterkeit sorgte gegen Ende des Stückes eine weitere moderne Brechung: Als der Wein sprichwörtlich in Strömen floss, klang plötzlich der Schlager „Griechischer Wein“ an – ein musikalischer Seitenhieb, der beim jungen Publikum bestens ankam.

Nach turbulenten und sicherlich auch für die Akteure anstrengenden 75 Minuten nahmen sich die beiden Schauspieler noch Zeit für Fragen aus dem Publikum. Dabei ging es vor allem um die technische Umsetzung der Inszenierung, die viele der Anwesenden sichtlich beeindruckt hatte.


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