Interkulturelles Lernen dank Erasmus+

12.05.2026

Interkulturelles Lernen dank Erasmus+

Während der Ausbildung ein halbes Jahr ins Ausland gehen, ohne Zeitverlust und Geldsorgen? Das ist für die angehenden Erzieher*innen und Jugend- und Heimerzieher*innen die sich an den Zinzendorfschulen ausbilden lassen, kein Problem. Das Königsfelder Schulwerk bietet als einzige Fachschule in der Region die Möglichkeit, Praxiserfahrungen im europäischen Ausland zu sammeln. Mehr als 60 Auszubildende sind in den vergangenen fünf Jahren über das Förderprogramm der Europäischen Union, Erasmus+-, für 6 Wochen oder 6 Monate im europäischen Ausland gewesen.

Zwei von ihnen sind Maria Bertha und Marie Logusan aus der Klasse 2BKSW3. Marie ging für ein halbes Jahr an die Deutsche Schule in Bilbao, wo sie in der Krippe arbeitete, Maria war im gleichen Zeitraum an der Deutschen Schule in Thessaloniki. Beide verbrachten damit die Hälfte ihres Anerkennungsjahres im Ausland und kamen mit einer Fülle positiver Erfahrungen zurück.

„Das halbe Jahr in Spanien hat mir sehr dabei geholfen, an mir selbst zu wachsen“, konnte Marie Logusan feststellen. „Ich bin offener geworden und kann mich besser gerade machen. Die Erfahrungen, die ich in der Krippe gesammelt habe, lassen sich auch sehr gut in meinem jetzigen Praktikum an der Nikolaus-Groß-Schule in Villingen anwenden.“ Auch wenn sie in Bilbao mit jüngeren Kindern als jetzt zu tun hatte, konnte die angehende Jugend- und Heimerzieherin dabei lernen, kreativ mit mangelnder Impulskontrolle oder herausforderndes Verhalten umzugehen.

Ein paar Wörter Spanisch hat sie natürlich auch gelernt, aber in der deutschen Schule sollte sie ohnehin nicht mit den Kindern Spanisch sprechen. „Die lernen dort Deutsch als Fremdsprache und werden auf das deutsche Abitur vorbereitet“, erklärt Maria-Elke Schoo-Schemmann, die einst das Erasmus+-Programm an die Zinzendorfschulen geholt hatte.

Maria Berta hatte sich für einen Einsatz an der Deutschen Schule in Thessaloniki entschieden, wo sie Kindergartenkinder und Vorschüler betreute. Auch sie musste sich einigen Herausforderungen stellen, so war in ihrer Gruppe etwa ein Junge mit diagnostiziertem aggressivem Autismus. „Aber er hatte immer eine Begleitperson dabei, die notfalls auch mal übersetzen konnte.“ Auch hat sie gelernt, wie sie Kinder und Jugendliche in Gruppen integriert. In der Deutschen Schule gab es Gruppen aus griechischen und deutschen Schüler*innen, die es zusammenzuführen galt. Die pädagogischen Techniken, die sie in Königsfeld gelernt hat und in Thessaloniki in der Praxis anwenden konnte, helfen ihr auch bei ihrer jetzigen Arbeit im zweiten Teil des Anerkennungsjahres. Den verbringt sie in der Bad Dürrheimer Luisenklinik auf der Krisenstation. „Auch meine eigene Erfahrung aus Griechenland, in einer neuen Umgebung ganz auf mich gestellt zu sein, hilft mir enorm dabei, mich auf die Patienten einzustellen.“

Beide hatten vergleichbare Aufgaben – Morgenkreis, Geschichten erzählen, Kinder vom Bus abholen, Sprachförderung, Streitereien schlichten und vieles mehr – und beiden waren von Anfang an gut in ihrem jeweiligen Team integriert. „Natürlich waren immer ausgebildete Pädagogen dabei, aber wir waren an allen Aufgaben beteiligt.“

Das erste Mal auf sich gestellt zu sein, ohne die Familie im Hintergrund – das kann schon ganz schön aufregend sein. In den Vorbereitungskursen hatte Maria-Elke Schoo-Schemmann die Erasmus-Praktikant*innen daher dazu angeregt, ihre Freunde und Familie vorab „Trostkarten“ schreiben zu lassen. Diese Postkarten konnten sie immer bei sich tragen und bei Bedarf hervorholen und lesen. „Die haben uns sehr geholfen“, sagen die Auszubildenden.

Wie auch ihre Mitschülerin in Spanien hat Maria in Griechenland viel über die Kultur gelernt und die Natur erlebt. An einem Wochenende war sie in Athen, einmal sogar flog sie nach Georgien. Sie erlebte die Feste und Brauchtümer hautnah, zum Jahreswechsel etwa gab es einen großen Neujahrskuchen mit einer im Teig versteckten Münze, das unter allen Gästen aufgeteilt wurde. Wer das Stück mit der Münze bekommt, den erwartet das ganze Jahr über besonderes Glück. „Die Münze bekam ich“, sagt sie strahlend, „ich trage sie immer noch mit mir herum.“ Marie dagegen bummelte oft durch die Stadt, wanderte am Strand und war beeindruckt vom Sardinenbegräbnis, mit dem in Spanien die Karnevalssaison beendet wird.

Auch der Umgang mit den Kindern unterscheidet sich sehr zwischen dem streng durch Vorschriften geregelten Arbeiten in deutschen Einrichtungen und denen in Spanien und Griechenland, wo die Erzieherinnen mit den Kindern umgehen, als wären es ihre eigenen.

Das alles gehört zur kulturellen Vielfalt und hilft den jungen Menschen, sich über ihre eigene Zukunft Gedanken zu machen. Obwohl Marie die Zeit in Spanien als sehr wertvoll betrachtet, kann sie sich nicht vorstellen, nach dem Ende ihrer Ausbildung noch einmal zum Arbeiten ins Ausland zu gehen. „Zumindest nicht allein“, sagt sie. Marie dagegen hat Gefallen am südeuropäischen Lebensstil gefunden. „Ich glaube, ich möchte später mal auswandern. Gerne nach Griechenland.“


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