Krisen-Börse-Königsfeld hilft Ukrainern - Lehrer geben Deutschkurse

21.04.2022

Krisen-Börse-Königsfeld hilft Ukrainern - Lehrer geben Deutschkurse

Sie haben Fürchterliches erlebt und kamen völlig erschöpft an einem dunklen, kalten Morgen um 4 Uhr in Königsfeld an. Von den 16 Frauen und Kindern, die mit dem ersten Hilfstransport des Busunternehmens Petrolli nach Königfeld kamen, reisten die meisten in umliegende Dörfer und Gemeinden weiter. Vier Frauen und ein Mädchen fanden eine erste Zuflucht im Gemeinlogis und viele Menschen im Ort überlegten, wie sie am besten helfen konnten. „Eine Lehrerin ist am gleichen Tag losgegangen und hat Haus- und Straßenschuhe für das Kind gekauft“, sagt Br. Fischer, Schulpfarrer der Zinzendorfschulen und Organisator der Krisen-Börse-Königsfeld, die Anfang April gegründet wurde.



Bald leben seinen Schätzungen zufolge um die 200 Geflüchtete aus der Ukraine im Kernort. Schnell war klar, dass diese Menschen, die oft nicht mehr dabeihatten als die Winterkleidung, die sie am Leib trugen, vieles benötigen: Schuhe und Kleidung - vor allem für Frauen und Kinder - Spiel- und Schulsachen, Hygieneartikel, Töpfe, Teller, Besteck und weitere nützliche Haushaltswaren. „Auch für Geldspenden, die im Lehrerzimmer der Zinzendorfschulen abgegeben werden können, sind wir sehr dankbar“, so Br. Fischer.



Mit dem ehemaligen Treff-Markt war schnell ein Gebäude gefunden, in dem die Sachen sortiert und den Geflüchteten angeboten werden – nicht nur denen, die in Königsfeld untergekommen sind, wie Br. Fischer betont. Das Gebäude gehört der Brüder-Unität und innerhalb kürzester Zeit bekam er von der Direktion grünes Licht, die Räume zu nutzen. „Leider nur bis Ende Juni, ab dann ist das Gebäude vermietet“, sagt Br. Fischer und hofft, bis dahin einen anderen, ebenso zentral in Königsfeld gelegenen Raum zu finden.



Die Krisenbörse wird auch von den Zinzendorfschulen tatkräftig unterstützt. „Die Hausmeister haben dafür gesorgt, dass wir Licht haben und bieten vielseitige Unterstützung.“ Die Geflüchteten sind eifrig bei der Sache, sie hatten zunächst einmal die stark eingestaubten Ladenräume gefegt und gefeudelt. Außerdem sortieren sie täglich die Spenden. Das DRK sorgt dafür, dass montags bis freitags von 17 bis 18 Uhr jemand da ist, der an der Laderampe an der Rückseite des ehemaligen Treff-Marktes die Sachspenden entgegennimmt. „Was wir leihweise noch dringend benötigen, sind Tische und Kleiderständer.“



Ein weiterer Teil des Hilfsangebotes besteht aus Deutschkursen. Schon seit Ende März koordiniert Nicole Schwenk, Lehrerin an der Nachsorgeklinik Tannheim, in den Räumen der Zinzendorfschulen die Kurse und leitet Informationen weiter. „Bislang sind es acht Lehrer*innen der Zinzendorfschulen, die ehrenamtlich die Kurse geben, nach den Ferien werden sie noch von Schüler*innen der Oberstufe unterstützt“, so Br. Fischer.



Auch das montägliche Friedensgebet im Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine gehe nach Ostern weiter, so der Schulpfarrer. „Wie immer um 13.30 Uhr und jeder und jede ist herzlich willkommen. Wir leben Nächstenliebe gegen den Hass.“



Info: Wer außerhalb der Öffnungszeiten Spenden abgeben möchte oder anderweitig Hilfe anbieten kann, sollte sich mit Br. Fischer unter der Nummer 01735629803 in Verbindung setzen.




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