Spannende Podiumsdiskussion zur Wehrpflicht

Spannende Podiumsdiskussion zur Wehrpflicht

Seit 15 Jahren ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt, aber seit Januar dieses Jahres bekommen alle jungen Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft ab Jahrgang 2003 nach ihrem 18. Geburtstag einen Fragebogen. Darin wird die Bereitschaft, Wehrdienst zu leisten, abgefragt und Männer müssen, Frauen können ihn ausfüllen. Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sind die ersten, die damit konfrontiert werden, weshalb Schulpfarrerin Sr. Kodweiß und Religionslehrerin Sr. Fischer drei Experten zu einer Podiumsdiskussion eingeladen haben.

Militärpfarrer Stefan Boldt, Jugendoffizier Jonathan Egger und der Friedensaktivist Dr. Theodor Ziegler legten im Kirchensaal vor den Klassen der Oberstufe der Zinzendorfschulen ihre Standpunkte zur Wehrpflicht dar und stellten sich im Anschluss den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Während der Friedensaktivist und Religionspädagoge Ziegler für eine gewaltfreie Lösung plädierte und das System militärischer Konfliktaustragung deutlich ablehnte, vertrat Militärpfarrer Boldt die Meinung, dass Wehrbereitschaft Kriege verhindere. „Ich hätte es cool gefunden, wenn Kain den Abel nicht erschlagen hätte“, sagte er, betonte aber auch, wie wichtig es sei, sich notfalls wehren zu können. „Ihr habt heute Morgen geduscht, gefrühstückt und könnt frei eure Meinung äußern“, wandte er sich an das junge Publikum, „und ich sehe Euch - sehe uns alle - in der Pflicht, dieses Europa auf verschiedenste Art zu verteidigen.“ Er fügte hinzu, dass er damit nicht ausschließlich den Dienst an der Waffe meine, auch Freiwilligendienste aller Art gehören seiner Meinung nach dazu.

Ziegler, der seine Thesen mit historischen Abrissen untermauerte und Studien zur Wirksamkeit gewaltfreien Widerstands zitierte, betonte, dass Soldaten lernen, auf Befehl zu töten. Das wiederum sei mit den Recht auf Leben jedes Einzelnen nicht vereinbar. „Nicht diejenigen, die sich dem Kriegsdienst verweigern, sollten zur Gewissensprüfung, sondern diejenigen, die dazu bereit sind, andere zu töten.“

Dem widersprach Stefan Bold, der seit 2016 als Militärpfarrer arbeitet, energisch. „Soldaten lernen das Töten, aber damit lernen sie auch, das Töten zu verhindern.“ Er selbst sei dabei gewesen, als die Bundeswehr vor drei Jahren die Deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum evakuiert hatte. „Die haben 780 Menschen in Sicherheit gebracht, die anderenfalls getötet worden wären.“

Der Jugendoffizier der Bundeswehr, Jonathan Egger, gab zu, dass es im Zweifel um das Töten gehe. Er wies jedoch auf zwei Besonderheiten des deutschen Militärs hin: Man dürfe den Wehrdienst verweigern und man dürfe auch Befehle verweigern. Aus seiner Sicht verteidige die Bundeswehr die Freiheit, die Werte und fördere die Gemeinschaft.

Wie effektiv diese positive Gemeinschaftserfahrung sei, wenn man dazu gezwungen wird, wollte anschließend ein Schüler wissen. „Ihr seid ja auch dazu gezwungen, zur Schule zu gehen“, konterte Eggert. „Es gibt in Deutschland eine Schulpflicht, aber trotzdem habt ihr in der Schule eine schöne Zeit und findet Freunde.“

Die Podiumsdiskussion hat die Schülerinnen und Schüler zum Nach- und teilweise auch Umdenken gebracht. „Ich habe meine Meinung etwas geändert“, sagte Elisa (16). „Vor der Veranstaltung habe ich einen Pflichtdienst komplett abgelehnt, aber so denke ich, dass alle Diskussionsteilnehmer ein bisschen recht haben. Man sollte sich engagieren müssen, aber nicht unbedingt bei der Bundeswehr. Ich werde nach der Schule wahrscheinlich ein FSJ machen.“