Von James Bond, Til Schweiger, Hochhäusern, Stühlen und den Zinzendorfschulen

21.03.2013

Von James Bond, Til Schweiger, Hochhäusern, Stühlen und den Zinzendorfschulen

Was hat James Bond mit den Zinzendorfschulen gemeinsam? Richtig, der Geheimagent Ihrer Majestät und die Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule Wirtschaft (BFW) sitzen auf den gleichen Stühlen von der Schwäbischen Alb.
Dass dies nicht dem Zufall, sondern geschicktem Agieren zu verdanken ist, erklärte der Marketingleiter der FirmaInterstuhl, Hans-Jörg Bley, den Schülerinnen und Schülern in einer kurzweiligen halben Schulstunde.
Auf deren Lehrplan steht nämlich gerade Ergonomie, weshalb die Lehrer Sr. Schmidt und Br. Limberger den Berufsfachschülern erklären, worauf beim ermüdungsfreien Arbeiten zu achten ist. Als Anschauungsobjekte hat das mittelständische Familienunternehmen aus Meßstetten-Tieringen den Zinzendorfschulen zwei Bürostühle überlassen, die sich in alle Richtungen verstellen und dadurch auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse kleiner und großer, dicker und dünner Schüler, Geheimagenten und anderer Menschen anpassen lassen.
Doch zunächst viel spannender fanden alle, was es mit der Geschichte der Stühle auf sich hat, die schon eine Statistenrolle in den letzten beiden James-Bond-Filmen gespielt haben. Ganz nebenbei gab es einen faszinierenden Exkurs in Sachen Werbung.
Als Produkt Beistellung wird gemeinhin die Art von Werbung bezeichnet, bei der Produkte als Dienstleistung eines Herstellers, ohne dass Geld fließt, bereitgestellt werden. Schon in dem 007-Streifen "Ein Quantum Trost" nahm die Geheimdienst-Chefin "M" auf einer Sitzgelegenheit der Firma Interstuhl Platz. Auch beim aktuellen Bond-Film "Skyfall" standen die futuristisch anmutenden, bequemen Drehstühle von der Alb im Büro der großartigen Judi Dench.
"Sie saß vielleicht nur zehn Sekunden darauf und ein Bürostuhl bleibt dem Kino-Publikum im Gegensatz zu Bier und Markenuhren überhaupt nicht im Gedächtnis", erklärte Bley den Schülern. "Ich lebe jedoch nicht von diesen zehn Sekunden, sondern davon, dass ich den Auftritt unserer Stühle in einem Bond-Film vermarkten kann - und zwar weltweit und zeitversetzt." Bei 400 Fachhändlern stehe das Werbebanner, das auf die Rolle des Bürostuhls in dem Kino-Blockbuster hinweist. "Das ist der Hingucker, dadurch werden die Kunden neugierig auf unser Produkt."
Auch im jüngsten Til-Schweiger-Film "Kokowääh 2" seien Interstuhl-Produkte zu sehen gewesen. "Til Schweiger liebt unsere Stühle", verriet Bley. Nach ihrem Einsatz bei den Dreharbeiten wurden sie zurückgeschickt und im Internet beiFacebookversteigert. Der Erlös ging an die Stiftung "Innocence in Danger", für die sich der Schauspieler engagiert. "Solche Aktionen gehören zu unserer sozialen Verantwortung, die sich über mehrere Bereiche erstreckt", erklärt Hans-Jörg Bley.
Er schilderte den Weg des 52 Jahre alten Familienunternehmens, das von Werner Link gegründet wurde. Der gelernte Schmied reparierte zunächst Landmaschinen, baute dann Untergestelle für die Nähmaschinen der zahlreichen Textilfabriken auf der Alb, kurz darauf auch Stühle für die Näherinnen und ist heute Seniorchef eines weltweit agierenden Betriebs, der in Deutschland einen Marktanteil von 15 Prozent hat. "Der Joghurt-Hersteller Danone hat beispielsweise einen Marktanteil von drei Prozent."
Dass die meisten Schüler die Marke Interstuhl wohl dennoch nicht kennen, liegt wohl daran, dass als Käufer weniger Privatpersonen als große Konzerne wie Daimler und Telekom avisiert werden. Für solche Großaufträge stellen die 650 Interstuhl Mitarbeiter in Meßstetten jedes Jahr eine Million Drehstühle her. Bis ein neues Modell entwickelt ist, dauere es zwei Jahre. Schon der Architekt Mies van der Rohe soll gesagt haben: "Es ist leichter, ein Hochhaus zu bauen als einen Stuhl." Den Geheimagenten seiner Majestät darauf zu setzten scheint dagegen ein Kinderspiel.

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