
Eine Reise des Ankommens und der Sprache
Haiyue (Harry) Tian aus der 9b beschreibt als „Student Amabassador“ für seine Agentur GEP seine (sprachliche) Entwicklung in Deutschland.
Haiyue (Harry) Tian aus der Klasse 9b beschreibt seine sprachliche Entwicklung.
Meine erste Gastfamilie wohnte in Enzisweiler – ein alleinerziehender Vater und sein
achtjähriger Sohn Liam. Beim Abendessen fragte mich Mark, wie meine Reise war.
Der Satz, den ich zuvor hundertmal geübt hatte, blieb mir plötzlich im Hals stecken,
und schließlich brachte ich nur heraus: „Das Flugzeug ist sehr groß.“ Liam kicherte.
Aus den Klassenzimmern der Dialogeschule konnte man den Bodensee sehen. Die
Lehrer sprachen sehr langsam, aber für mich fühlte es sich trotzdem an, als würde ich
verschlüsselten Radiobeiträgen zuhören. Bei einer Gruppenübung fragte mich ein
syrischer Mitschüler mit arabischem Akzent auf Deutsch: „Woher kommst du?“ Ich
sagte: „China.“ Er sagte: „Ah! Peking!“. Wir sahen uns an und lächelten – wie sich
herausstellte, verbindet ein Lächeln Menschen, deren Deutsch noch nicht so gut ist.
Später zog ich zu einer Großfamilie nach Deggenhausertal.
Der korpulente Herr Hans hat vier Kinder, und die Oma Maria, die sich um mich kümmerte, sprach Deutsch mit
einem starken italienischen Akzent. Wir spielten oft eine Art Scharade – wenn sie
„Waschmaschine“ sagen wollte, machte sie eine kreisende Bewegung; wenn ich
„Hausaufgabe“ meinte, tat ich so, als würde ich schreiben. In dieser Familie war die
Sprache keine Barriere mehr, sondern eine Brücke, die wir gemeinsam bauten.
Am 30. März ging ich mit dem B2-Zertifikat in der Hand aus der Dialogeschule. Als
ich am nächsten Tag das örtliche Gymnasium betrat, waren meine Handflächen voller
Schweiß. Die erste Stunde war Religionsunterricht. Von der ganzen, dicht
beschriebenen Tafel erkannte ich nur die Wörter sein und werden. Die leuchtend rote
„5“ auf der Klausur tat mir in den Augen weh. An diesem Tag rief ich meine Mutter an
und tat ganz gefasst: „Die Schule ist gut, die Mitschüler sind nett.“
Nachdem ich mich einige Wochen eingewöhnt hatte, begann ich, die einfachste
Methode anzuwenden: zehn Minuten Vorbereitung vor dem Unterricht, bei der ich
neue Vokabeln auf Kärtchen schrieb. Mein „Bruder“ (aus der Gastfamilie)
suchte oft das Gespräch mit mir. Wir redeten über alles Mögliche, von Hobbys bis hin
zu Kultur, von mathematischen Gleichungen bis hin zu populärwissenschaftlichen
Themen aus der Biologie. Damit begann das Wissen in meinem Kopf in einem
langsamen, aber erfreulichen Tempo zu wachsen.
Bei der letzten Physikarbeit vor den Sommerferien bekam ich eine 2,5. Das war das
Ergebnis meiner harten Arbeit und die erste halbwegs vorzeigbare Note, die ich seit
meinem Wechsel aufs Gymnasium bekommen hatte. In den Wochen vor den
Sommerferien konnte ich mich bereits fließend mit Deutschen unterhalten. Ich begann
allmählich, die europäische Kultur zu akzeptieren, und lernte langsam den lokalen
Umgangston. Schritt für Schritt stellte ich fest, dass Deutsch nicht mehr der Feind war,
den es zu „bezwängen“ galt, sondern die Brille, durch die ich die Welt betrachte – auch
wenn die Gläser noch etwas verschwommen waren.
Als ich das Klassenzimmer wieder betrat, geschah etwas Magisches: Ich verstand, als
die Lehrerin sagte: „Nächsten Mittwoch die Hausaufgabe abgeben“. Das Kapitel über
die „Industrielle Revolution“ im Geschichtsbuch konnte ich nun flüssig lesen. Beim
Mathetest im Oktober bekam ich meine erste 1,0. Die Zahl in der oberen rechten Ecke
des Blattes wechselte von einem stechenden Rot zu einem sanften Blau.
Beim Mittagessen setzte sich ein Mitschüler aus Österreich neben mich: „Du hast dich
in letzter Zeit echt stark verbessert.“ Wir unterhielten sich über unsere jeweiligen
Heimatstädte – er beschrieb den wolkenlosen Himmel von Wien auf Deutsch, und ich
erzählte vom Nebel und Regen in Chengdu. Ich schenkte ihm das Maskottchen von
Chengdu als Geschenk, und er revanchierte sich mit ausländischen Münzen. Er sagte:
„Dein Deutsch hat einen chinesischen Touch, man kann es super heraushören.“
In der Deutschstunde letzte Woche ließ uns die Lehrerin aufschreiben, was unser
„größter Erfolg in diesem Jahr“ war. Ich schrieb:
„Ich habe gelernt, tief durchzuatmen, wenn ich etwas nicht verstehe; im Wörterbuch
nachzuschlagen, wenn ich etwas nicht lesen kann; und mutig zu fragen ‚Kann ich
mitmachen?‘, wenn ich alleine bin.“
In den mehr als 200 Tagen von B1 zu B2 ging es nicht darum, das Deutsch perfekt zu
machen, sondern zu lernen, den eigenen Akzent zu akzeptieren und seinen Platz in
dieser neuen Welt zu finden. Integration ist ein sehr harter Prozess, aber ich bin
überzeugt: Alles ist schon vorbei. Ich bin mir auch sicher, dass ich meinen Platz in der
neuen Welt gefunden habe.
Als ich gestern meine Bücher aufräumte, fiel mir die ungenügende Matheklausur vom
April wieder in die Hände. Ich musste lächeln. Wichtig war nicht die Note, sondern
jener Nachmittag in der Bibliothek, an dem ich mit zusammengebissenen Zähnen im
Wörterbuch nachgeschlagen hatte. Der Moment im Unterricht, als ich allen Mut
zusammennahm, um mitzureden. Der Moment, als ich endlich den Witz verstand und
mitlachte. Ein Hoch auf die Momente, in denen der Mut aufblühte.
Draußen vor dem Fenster zieht wieder Nebel über den Schwarzwald. Im nächsten
Frühjahr werden die fernen Bergketten wieder klar zu sehen sein. Und mit meinem
Deutsch wird es wohl genauso sein – im ständigen Wechsel von Nebel und klarem
Himmel werden sich langsam die Konturen der fernen Berge abzeichnen.
Hier der Text im Original:
2025 年终总结:我的“闯关”日记
元旦的钟声中,我坐上了回德国的飞机。经过去年小半年
的努力,我已经在德国取得了b1 的证书。飞机降落在法兰克福时,我还不知道B1 证书
在真实生活里有多大用。第一个住家在Enzisweiler——单亲爸爸和他八岁的儿子Liam。
晚餐时马克问我旅途如何,我练习过一百遍的句子突然卡住,最后憋出一句“飞机很大”。
Liam咯咯笑起来。Dialogeschule的教室能看到博登湖。老师说话很慢,但我还是像在听
加密广播。分组练习时,叙利亚同学用阿拉伯语口音的德语问我:“你从哪里来?”我说“中
国”,他说“啊!Peking!”,我们相视而笑——原来德语不好的人,笑容是相通的。搬到
布雷根茨的大家庭。胖胖的汉斯先生有四个孩子,照顾我的玛利亚奶奶说带意大利口音的德语。我们
经常上演猜词游戏 ——她想说“洗衣机”,比划了个转圈圈的动作;我想说“作业”,做出写字的姿势。
在这个家里,语言不再是墙,而是我们正在一起搭建的桥。
3 月30 日,我握着B2 证书走出Dialogeschule。隔天,走进当地中学时,手心全是汗。第一节课是
宗教课,整个黑板上密密麻麻的字我只认出来了sein和werden。试卷上那鲜红的5刺得我眼睛生疼。
那天给妈妈打电话,强装镇定:“学校很好,同学很好。”适应了几周之后开始用最笨的方法:课前预
习十分钟,把生词抄在小卡片上。Bruder也经常找我谈心,我们从融入聊到文化,从分数聊到个中科
普,随之我脑海里的知识以一个缓慢但是可喜的速度开始增加。暑假前的最后一次物理考试我得到了
一个2.5,这是我努力的结果,也是我进入中学以来得到的第一个还算看得过去的分数。在暑假的前
几周,我已经可以流畅的和德国人交流了。我渐渐尝试接受欧洲的文化,慢慢学习本地的俚语。慢慢
发现,德语不再是需要“攻克”的敌人,而是我观察世界的眼镜——虽然镜片还有点模糊。
再次走进教室时,神奇的事发生了:老师说的“下周三交作业”,我听懂了;历史课本里“工业革
命”的章节,能读下来了。十月的数学测验,我拿到了第一个1.0,卷子右上角的数字,从刺眼
的红变成温和的蓝。午餐时,来自奥地利的同学坐到我旁边:“你最近进步好大。”我们聊起各
自的家乡——他用德语描述维也纳的晴空,我说成都的烟雨。我将成都的吉祥物作为礼物送给
了他,他以异国的硬币回赠。他说:“你的德语有中国味道,挺好认的。”
上周德语课,老师让我们写“今年最大的收获”。我写:“我学会了在听不懂时深呼吸,在看不懂
时查字典,在孤单时开口说‘我可以加入吗’。”从B1到B2的200多天,不是把德语变完美,而
是学会带着自己的口音,在这个新的世界里找到位置。Integration是一个很难的过程,但是我
相信,Alles ist schon vobei. 我也确信,我在新的世界找到了自己的位置。昨天整理书架,翻
出四月那张不及格的数学考卷。我笑着摇头——重要的不是分数,而是那个在图书馆咬牙查字
典的下午,那个鼓起勇气加入谈话的课间,那个终于听懂笑
话的瞬间。致敬勇气绽放的瞬间。窗外的黑森林又起雾了。明年春天,远处的山脉会再次清晰可见。
而我的德语,大概也会像这样——在一次次晨雾与晴天的交替中,慢慢看见远山的轮廓。
2025 年教会我:真正的成长, 不是突然听懂了一切,而是在没完
全听懂时,仍有勇气举起手说:
“请您再说一遍,我在努
力理解。”